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Die Schulebene

Ein grober Überblick über das Interventionsprogramm weist darauf hin, dass es sinnvoll ist mit der Schulebene zu beginnen und das bestehende Problem zuerst auf dieser Ebene zu betrachten und anzugreifen. Dabei ist die gesamte Schülerschaft die Zielgruppe, aber auch die Lehrkräfte und andere Beteiligte werden involviert. Wichtig auf der Schulebene ist, dass sich die Maßnahmen auf alle Schüler beziehen und nicht nur an die Täter oder Opfer richtet. Um zu verhindern, dass neue Gewaltprobleme entstehen müssen auf der Schulebene Einstellungen entwickelt und Bedingungen geschaffen werden, die dies verhindern. Ebenfalls können mit den Maßnahmen die Ausmaße von Gewalt an der Schule gesenkt werden. (vgl. Dan Olweus, S.73)


Der Pädagogische Tag
„Wenn eine Schule beschlossen hat, systematische Maßnahmen gegen Gewalt einzuführen, ist es sinnvoll, einen Pädagogischen Tag durchzuführen“. (Dan Olweus, S. 73) Dabei sollen so gut wie möglich alle Beteiligten, Schüler, Lehrkräfte, Pädagogen, Schulleiter, Schülervertreter, Elternvertreter, aber auch Experten aus verschiedenen Bereichen teilnehmen. Das Vortragen der Ergebnisse aus den Fragebögen ist ein guter Einstieg, um die Anwesenden für das Thema zu sensibilisieren und auf den weiteren Verlauf des Pädagogischen Tages vorzubereiten. Das Ziel ist es, einen Handlungsplan zu erstellen, bei dem die vorgesehenen Maßnahmen für die Schule ausführlich und umfangreich gestaltet werden. (vgl. ebd., S. 73) Um den Plan fest zu umreißen und durchzuführen muss viel Zeit investiert und alle Maßnahmen ordentlich erörtert werden. Ebenfalls soll auf die einzelnen Durchführungen eingegangen werden. Eine allgemeine Einigkeit über bedeutende Bestandteile der Maßnahmen ist dabei von Vorteil.


Die Schulkonferenz
Wenn der pädagogische Tag erfolgreich abgeschlossen wurde, kann man im Anschluss eine Schulkonferenz durchführen. Bei dieser ist es sinnvoll, dass alle Beteiligten eine umfangreiche Information zu den Maßnahmen erhalten und der Beschluss zur Durchführung des Schulprogrammes „Gewaltprävention“ herbeigeführt wird. (vgl. ebd., S. 74)


Bessere Aufsichten
Die erste Maßnahme im Interventionsprogramm ist eine bessere Aufsicht während der Pausenzeiten. Das heißt es sollen ausreichend autoritäre Lehrkräfte während der Pausenzeiten auf dem Schulhof anwesend sein, damit „eine gute Aufsicht über die Schüleraktivitäten [gewährleistet]“ ist. (Dan Olweus, S.74) Die Schule hat allgemein die Verpflichtung für eine gute, wachsame und aufmerksame Pausenaufsicht zu sorgen. Wichtig ist hierbei, dass ein ordentlich funktionierender Plan zur Aufsicht besteht und sich die „Aufsichten“ über den ganzen Schulhof einen Blick machen können. (vgl. ebd., S. 74) Die eingesetzten Lehrkräfte sollen entschlossen und schnell bereit sein in jegliche Art von Eskalationen einzugreifen. Dabei sollen sie, selbst wenn nur der Verdacht auf eine Gefahr besteht, auch mal zu früh als zu spät oder gar nicht eingreifen. Durch das Eingreifen vermitteln sie, dass Gewalt nicht akzeptiert wird und sie hinter dem Opfer stehen sowie diesem Unterstützung zukommen lassen. Des weiteren ist es wichtig, dass die einzelnen  Pausenaufsichten Informationen über Vorkommnisse oder Zwischenfälle regelmäßig austauschen. (vgl. ebd., S.75) Aber auch unterschiedliche räumliche und zeitliche Pausenzeiten zwischen jüngeren und älteren Schülern können die Gewaltausmaße einschränken. Eine attraktive und gut ausgestattete Umgebung im Freien kann ebenfalls für eine Verminderung des Gewaltausmaßes beitragen. Abgeschlossene Bereiche, Toiletten und andere wenig überwachte und versteckte Gefahrenzonen sollten regelmäßig und besonders beaufsichtigt beziehungsweise abgeschafft werden (vgl. ebd., S. 76)


Kontakttelefon
Von Mobbing betroffene Schüler nehmen selten Kontakt zu Lehrkräften, Eltern oder Erwachsenen auf. Um dem Problem der fehlenden Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern entgegen zu wirken, sollte die Schule ein Kontakttelefon einrichten oder besitzen. Bei dieser Maßnahme können Eltern, betroffene Schüler oder die Täter eine Vertrauensperson der Schule anonym kontaktieren und ihre aktuelle Situation schildern. Dabei soll dem Anrufer Verständnis, Vertrauen und Beistand entgegengebracht werden. Falls die Vertrauensperson es für notwendig hält, dass die betroffene Person mehr Unterstützung benötigt, sollte sie sie zu mehr Gesprächen motivieren bis hin zu einem persönlichen Treffen beziehungsweise bei einem Lehrer-Schüler-Gespräch ebenfalls anwesend sein. Die Kontaktperson soll den Vorfall nicht aus den Augen lassen und sich sehr um eine Aufklärung der Situation bemühen. ( vgl. ebd., S. 77)


Kooperation zwischen Lehrkräften und Eltern
Um das Gewaltproblem an der Schule wirksam zu bekämpfen müssen die Lehrkräfte, die Schule und die Eltern der Kinder eine gute Kooperation anstreben. Dies können sie durch Treffen, Einzelgespräche oder Telefonkontakte erreichen. Bevor sich die Eltern dem Treffen anschließen müssen ausführliche Informationen und eine Einladung zur Teilnahme an sie verschickt werden. Während der Treffen können die Fragebögen ausgewertet, Informationen zur aktuellen Situation verdeutlicht oder die Aktionspläne zu den jeweiligen Maßnahmen vorgestellt werden. Die Treffen dienen dazu, dass die Eltern ermutigt werden sich häufiger mit den Lehrkräften in Verbindung zu setzen und das sie rechtzeitig sowie regelmäßig über Zwischenfälle informiert werden. (vgl. ebd, S. 78)


Entwicklung eines sozialen Milieus
Die umfangreichen Maßnahmen, welche eine Schule zur Gewaltbehandlung einsetzt, sollen nicht nur über einen kurzen Zeitraum stattfinden, sondern auch eine regelmäßige Bereitschaft ist von Nöten. Das Engagement und die Begeisterung der Lehrkräfte muss aufrecht erhalten werden, ebenfalls sollten „Lehrkräfte – wie auch Eltern und Schüler – mehr über geeignete Methoden lernen, mit diesem Problemen umzugehen. Ein Weg, auf diese Zeile hinzuarbeiten, ist die Teilnahme jeder Lehrkraft der Schule an einer Gruppe zur Entwicklung des sozialen Milieus der Schule“. (Dan Olweus, S. 79) Innerhalb der Treffen müssen mehrere verschiedene Aspekte betrachtet werden. Bestehende Probleme, Disziplinprobleme, eine schwache Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern, das Austauschen von neue Erfahrungen und Informationen sowie Gewaltprobleme an der Schule sollten Gegenstand der Lehrergruppen sein. Ebenso sollen die Lehrkräfte sich gegenseitig unterstützen, ihr Engagement untereinander fördern und eine gleiche Einstellung zu Gewalt verdeutlichen.
(vgl. ebd., S. 81)


Arbeitsgruppen der Elternbeiräte
Bei der Kooperation zwischen Lehrern und Eltern kommt es nicht nur auf den vollständigen Informationsaustausch an, sondern auch das beide die gleichen Konsequenzen einsetzen. Durch diese Lösung werden einige Ergebnisse zur Prävention schneller erzielt. (vgl. ebd., S. 81)
Die wichtigsten Maßnahmen und wirksamsten Punkte auf der Schulebene sind trotz der anderen Maßnahmen, die Fragebogenerhebung, der Pädagogische Tag mit einer anschließenden Schulkonferenz sowie bessere Pausenaufsichten. (vgl. Schulberatungsstelle für Schwaben, Dienstbesprechung 2010/2011, S. 7)

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