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Die innere Kündigung

Den Begriff „innere Kündigung" prägte in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts der Jurist Dr. Reinhard Höhn. Er beschrieb damals ein Phänomen, das er vor allem in staatlichen Verwaltungsorganisationen beobachtete: „Die innere Kündigung eines Beamten ist der bewusste Verzicht auf Engagement und Einsatzbereitschaft in seinem Beruf.“ (R. Höhn, 1983). Bei einer inneren Kündigung wird das Arbeitsverhältnis nicht aufgelöst, denn die Kündigung vollzieht sich - unauffällig für den Arbeitgeber - in Gedanken des Mitarbeiters und er leistet fortan nur noch das Mindestmaß an Arbeit, dass er erbringen muss.
Die innere Kündigung zeichnet sich dadurch aus, dass sie im Stillen erfolgt und bewusst vollzogen wird, wobei der Arbeitnehmer auf jeden Fall seine Stelle behalten will.


Ursachen
Die innere Kündigung ist ein längerer Prozess an dessen Ende der Bruch des „psychologischen Arbeitsvertrages“ steht. Der psychologische Arbeitsvertrag ist ein ungeschriebenes Blatt Papier zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Er beinhaltet all die unausgesprochenen Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers.


Misstrauenskultur von Seiten des Unternehmens

Das bedeutet, das Unternehmen traut seinen Mitarbeitern nicht zu in eigener Regie die Arbeitsanforderungen erfüllen zu können und leitet daher verstärkte Kontrollen ein.


Führungsfehler

  • wenig Gesprächsbereitschaft
  • Eingriffe in den Kompetenzbereich des Mitarbeiters
  • Schlechtes Informationsverhalten
  • Mangelnde oder fehlerhafte Kommunikation
  • Unzureichende Partizipation (Teilhabe des Mitarbeiters an Entscheidungen)


Visionslosigkeit des Unternehmens

  • Krise im Unternehmen, die zu einem Personalabbau führt und daraus eine Zerstörung „famillärer Bindungen“ im Unternehmen resultiert (Survivor-Problematik).


Folgen

  • Dienst nach Vorschrift
  • Mindesteinsatz an der Arbeit
  • Gesteigerte Freizeitaktivitäten
  • Motivierte Mitarbeiter mutieren zu Mitläufer und Ja-Sager


Das führt beim Mitarbeiter zu

  • Sinkende Risikobereitschaft, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
  • Zustand der Hilf- und Hoffnungslosigkeit
  • Gefühl vollständiger Erschöpfung, Depression und psychosomatische Störungen, Aphatie.
  • bewusstes Mobbing des beruflichen Umfeldes


Aber es sollte nicht außeracht gelassen werden, dass nicht alle Menschen gleichermaßen von den Folgen betroffen sind, sondern diese auch von dem persönlichen Durchsetzungsvermögen, Konfliktfähigkeit und Selbstkompetenz des einzelnen abhängig ist.


Quelle:
(1) Innere Kündigung: Wenn der Job zur Fassade wird. Ralf Brinkmann/Kurt H. Stapf, 2005.

Bildnachweis: Caspar David Friedrich: Abtei im Eichwald, 1810.