Bossing

Unter Bossing wird das Mobben der Mitarbeiter durch den Vorgesetzten verstanden. Das Wort „Bossing“ kommt von dem allgemein gebräuchlichen Wort „Boss“, gleichbedeutend mit dem Wort „Vorgesetzter“.[1]

Bossing ist eine besondere Form des Mobbings, bei dem der Psychoterror am Arbeitsplatz ausgeübt wird. Bei dieser Form des Mobbings, ist es der Vorgesetzte der seine Mitarbeiter mobbt. Der Chef mobbt seine Mitarbeiter indem er das Opfer vor dem Team lächerlich macht, das Opfer drangsaliert. Er signalisiert dem gesamten Team, dass diese Person zum Abschuss freigegeben ist. Dadurch wird den Kollegen deutlich signalisiert, dass es in Ordnung ist, diesen Mitarbeiter zu schikanieren. Der Chef entzieht dieser Person bestimmte Privilegien, z.B. er entzieht ihm direkten Zugang zu wichtigen Stellen, indem er ihm beispielsweise wichtige Passwörter vorenthält).[2]

Es gibt verschiedene Gründe warum der Vorgesetzte seine Mitarbeiter drangsaliert. Diese reichen von Frustration, Langeweile, Druck, Konkurrenzangst bis hin zur Intoleranz. Vielen Chefs mangelt es an einem ausreichenden Selbstbewusstsein. Die „bossenden“ Chefs fühlen sich von starken Mitarbeitern bedroht, was wiederum auf die Unsicherheit des Chefs zurückzuführen ist. [3] Ein sehr wichtiger Aspekt, warum der Vorgesetzte seine Mitarbeiter mobbt, ist der stetige Arbeitsplatzkampf. Kein Unternehmen kann es sich leisten, einen Mitarbeiter zu beschäftigen, der nicht die geforderte Leistung erbringt. Demzufolge versucht so mancher Vorgesetze den unfähigen Mitarbeiter loszuwerden. Es ist egal, ob der mobbende Vorgesetzte nun aus persönlichen oder aus arbeitsrechtlichen Gründen mobbt, er hat auf jeden Fall einen Vorteil gegenüber seinem Mitarbeiter. Dieser Vorteil ist die Machtposition, die der Vorgesetzte inne hat. Das Problem dabei ist, dass sich der Chef noch nicht einmal unrechtmäßig verhalten muss, dies macht es dem Opfer wiederum zunehmend schwerer, das Bossing nachzuweisen. Leider ist es meistens der Fall, dass die Bossing-Opfer unter den Kollegen kaum Verbündete finden, da jeder Einzelne selbst Angst um seinen Arbeitsplatz hat. [4]

Woran kann man den „schlechten“ Chef erkennen? Einige Beispiele wären, dass der Chef schlecht über die jeweilige Person auf Betriebsfeiern redet; er stellt Mitarbeiter vor  dem versammelten Team bloß; er umgibt sich bewusst mit devoten Personen ab, die ihm nicht gefährlich werden können, oder er verunsichert die Belegschaft mit dunklen Andeutungen über die jeweilige Person. Der typische Bosser ist Ich-schwach, anerkennungssüchtig und aggressiv. Er möchte der „Alleinherrscher“ sein und tendiert somit zu egoistischer Kälte. [5]

Bossingattacken zielen immer auf zwei Bereiche ab. Einmal auf die fachliche Autorität: also ein Chef der sich fachlich seinem Mitarbeiter unterlegen und persönlich minderwertig fühlt, neigt dazu, diese Unsicherheit zu kompensieren, indem er seinen Mitarbeiter drangsaliert. Das Opfer ist ihm hier eindeutig unterlegen. Der zweite Bereich betrifft die soziale Persönlichkeit: Hier ist die Ursache, dass Vorgesetzte oft Persönlichkeitsprobleme haben. Sie schikanieren ihre Mitarbeiter aus Mangel an Selbstbewusstsein und sie fühlen sich von starken Mitarbeitern bedroht. In der Regel sind nämlich die Bossingopfer alles andere als Faulpelze, sie sind kreativ und fleißig. [6]

Dann gibt es noch eine Unterscheidung zwischen den geschlechtsspezifischen Aspekten: Die Attacken, die auf männliche Opfer fokussiert sind, finden eher auf der fachlichen Eben statt. Man bekommt keine, sinnlose oder ständig neue Aufgaben zugeteilt. Die Attacken, die auf weibliche Opfer abzielen, finden dagegen eher auf der sozialen Ebene statt. Das Mobbingopfer wird wie Luft behandelt, hierbei sind Anspielungen oder Verleumdungen keine Seltenheit. Über das Opfer werden Gerüchte verbreitet, die Person wird lächerlich gemacht oder vollständig ignoriert. [7]

 

Die Folgen von Bossing verlaufen in drei großen Etappen:

1. Anfangsphase: (erste Tage und Wochen)

  • hierbei kann es zu psychischen oder physischen Symptomen des Unwohlseins kommen

2. 3 – 6 Monate

  • hier kann sich evtl. eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln
  • sehr häufig ist auch mit einer existentiellen Bedrohung des Familiären Umfeldes zu rechnen

3. der weitere (unbehandelte Verlauf)

  • in dieser Phase entstehen häufig tiefgreifende Persönlichkeitsstörungen
  • es können sich manifeste Angststörungen entwickeln
  • es kann zu einer Suchtentwicklung mit zunehmender Suizidgefahr kommen [8]

Nun stellt sich die Frage, wie kann man sich gegen Bossing wehren? Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Chef sich die Beschwerden des Opfers gar nicht anhören muss. Deshalb ist die Prävention besonders wichtig. Es ist immer sehr ratsam und hilfreich, sich mit Kollegen zu verbünden, die das gleiche Schicksal betrifft. Beschwerden bei dem Vorgesetzen des Chefs oder beim Betriebsrat können dabei sehr hilfreich sein. Hierbei gibt es vier Schritte, die dabei von großem Nutzen sein können:

1. Schritt:      
Analyse: Hierbei gilt es Fakten zu sammeln und externe Gesprächspartner zu suchen.

2: Schritt:      
Dokumentieren
: hier gilt es wichtige Faktoren zu notieren (z.B. Wer hat was, wann gesagt oder getan). Sehr hilfreich ist es auch, Belege und Zeugen zu sammeln, die evtl. schon mal einen Vorfall miterlebt haben.

3: Schritt:      
Sich absichern: Wenn möglich, sollte man eine Rechtsschutzversicherung abschließen, da die Kosten für eine Gerichtsverhandlung enorm hoch sein können.

4: Schritt:      
Handeln: Jeder Arbeitnehmer hat nach dem  Arbeitsrecht das Recht, sich zu beschweren, vorausgesetzt das Vieraugengespräch bei dem Vorgesetzten war erfolglos. Danach gibt es verschieden Wege sich zu wehren, z.B. mittels einer Aussprache bei der vorgesetzten Stelle des Chefs. Vertrauenswürdige Kollegen können einen hierbei moralisch sehr unterstützen. [9]

Abschließend sind noch der gesetzliche Schutz und die rechtlichen Aspekte zu benennen. Ein expliziter Schutz gegen Bossing existiert leider nicht. Bossing bzw. Mobbing ist an sich kein Straftatbestand. Dennoch können die im Rahmen der schikanierenden vorgenommenen Handlungen gleichwohl strafrechtlich relevant sein, z.B. Verleumdung, Beleidigung, Körperverletzung. Der Arbeitgeber besitzt gegenüber seinen Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht, somit hat jeder Arbeitnehmer ein Recht auch auf den Schutz seines Persönlichkeitsrechtes. [10]

Literaturverzeichnis

Bossing – Anti MOBB e.V.
-
In: www.anti-mobb-ev.de/Beispiele/Bossing.pdf [zuletzt eingesehen am                06.12.2013]

Dr. Huber Institut
Dr. Andreas Huber: Bossing – wenn der Chef mobbt. Strategien gegen den Psychokrieg,  Stuttgart, März 2010 In: www.hospitalhof.de/fileadmin/bilder/Download/Huber_VortragBossing160310.pdf [zuletzt eingesehen am 06.12.2013]

Kreative Lösungen finden
Inwww.kreative-loesungen-finden.de/downloads/mobbetr.pdf [zuletzt    eingesehen am 06.12.2013]

Magazin Arbeitsrecht

In: www.magazin-arbeitsrecht.eu/bossing/ [zuletzt eingesehen am  06.12.2013]

Miriam Deuschle
Miriam Deuschle: Mobbing am Arbeitsplatz – mehr als nur ein wirtschaftlicher Schaden, 2010/2011,  In: opus.bsz-bw.de/fhlb/volltexte/2011/265/pdf/Bachelorarbeit_richtig.pdf [zuletzt eingesehen am 09.12.2013]

Rhetorik. ch
In: www.rhetorik.ch/Bossing/Bossing.html [zuletzt eingesehen am 06.12.2013]


[1] vgl. Kreative Lösungen finden. In: www.kreative-loesungen-finden.de/downloads/mobbetr.pdf [zuletzt eingesehen am 06.12.2013]

[2] vgl. Anti – MoBB e.V. In: www.anti-mobb-ev.de/Beispiele/Bossing.pdf [zuletzt eingesehen am 06.12.2013]

[3] vgl. Rhetorik. ch. In: www.rhetorik.ch/Bossing/Bossing.html [zuletzt eingesehen am 06.12.2013]

[4] vgl. Miriam, Deuschle. (2010/2011) Mobbing am Arbeitsplatz – mehr als nur ein wirtschaftlicher Schaden. In: opus.bsz-bw.de/fhlb/volltexte/2011/265/pdf/Bachelorarbeit_richtig.pdf [zuletzt eingesehen am 09.12.2013]

[5] vgl. Rhetorik. ch. In: www.rhetorik.ch/Bossing/Bossing.html [zuletzt eingesehen am 09.12.2013]

[6] vgl. Dr. Andreas Huber (2010): Bossing – wenn der Chef mobbt: www.hospitalhof.de/fileadmin/bilder/Download/Huber_VortragBossing160310.pdf [zuletzt eingesehen am 06.12.2013], S. 14.

[7] vgl. ebd. S. 10.

[8] vgl. ebd. S. 14.

[9] vgl. Rhetorik. ch. In: www.rhetorik.ch/Bossing/Bossing.html

[10] vgl. Magazin Arbeitsrecht. In: www.magazin-arbeitsrecht.eu/bossing/ [zuletzt eingesehen am 06.12.2013].

 

Text:

Nicole Reichard