Burnoutprävention

Individuelle Präventionsmaßnahmen
Jeder Mensch ist letztlich selbst dafür verantwortlich, dass es ihm gut geht. Kein anderer Mensch kann die Signale für Stress, Überlastung oder gar ein drohendes Burnout so unmittelbar wahrnehmen und zuordnen wie wir selbst. Doch diese Achtsamkeit und daraus folgende Sorge muss ernst genommen und aktiv praktiziert werden.

Signale wahrnehmen:
Ein Burnout kündigt sich durch Gefühle, wie Erschöpfung, innere Leere und Gereiztheit an. Auch Anspannung und ein Gefühl der Unfähigkeit werden als mögliche Vorboten einer Erkrankung beschrieben. (vgl. 1)
Allein die Fähigkeit diese Veränderungen wahrzunehmen und richtig zuzuordnen ist nicht selbstverständlich bei allen Menschen vorhanden. Es ist aber unerlässlich diese zu erlernen, um drohende Gefahren für die eigene Gesundheit abwehren zu können.

Werden die Signale wahrgenommen, erscheinen sie den Betroffenen als unangenehm und erschweren ihm die Fortsetzung seiner bisherigen Lebensführung. Diese Tatsachen erklären den Wunsch die Warnzeichen zu ignorieren. Sie durchkreuzen den bisherigen Plan, der im Arbeitsleben häufig von außen vorgegeben ist, was den Impuls sich nur noch stärker anzustrengen, als häufige Reaktion auf die ersten Symptome (vgl. 2) verständlich macht.

An dieser Stelle sollte es demgegenüber aber darum gehen sich mit den eigenen Lebens- und Arbeitsbedingungen auseinander zu setzen. Sich zu fragen, was einen stört und belastet und mit welchen Konsequenzen man diesen hinderlichen Gegebenheiten begegnen kann.

Prioritäten klären:
Es kann sehr hilfreich sein, den Stellenwert den die Arbeit im eigenen Leben einnimmt zu überprüfen. Wenn man sich, weit über die eigentliche Arbeitszeit hinaus, und sei es nur gedanklich, mit diesbezüglichen Inhalten beschäftigt, bleibt unweigerlich zu wenig Zeit für das private Leben übrig.

Und gerade diese freie Zeit ist so wichtig um einen gesunden Ausgleich zum beruflichen Engagement zu schaffen. Wer sein Leben eindimensional nur auf seine Arbeit ausrichtet, kann auch dort auf Dauer keine volle Leistung bringen. (vgl. 4)

Alle anderen Maßnahmen die zur Burnoutprophylaxe empfohlen werden, bauen darauf auf, dass genügend Zeit für außerberufliche Aktivitäten bleibt.

Entspannung lernen:
Wer sich entspannt, signalisiert seinem Körper, dass er seine Signale verstanden hat und darauf reagiert. Während der Entspannung wird zudem der Selbstwahrnehmungsprozess gefördert, wodurch der Mensch seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, von denen er sich im Zuge der Pflichterfüllung vielleicht distanziert hat, wieder näher gebracht wird. (vgl. 5)

Entspannung kann durch unterschiedliche Verfahren erreicht und gezielt erlernt werden. Welche Technik dabei zum Erfolg führt ist von Mensch zu Mensch verschieden. Den einen entspannt ein Spaziergang, andere hören lieber Musik, Meditieren oder führen den entspannten Zustand durch Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung herbei. Allen Vorgehensweisen gemeinsam ist allerdings, dass man sich einzig der Entspannung widmet und nebenbei nichts anderes tut. In diesen Auszeiten ist es deshalb auch sehr sinnvoll sein Handy auszuschalten, und damit nicht mehr zur Verfügung zu stehen. (vgl. 6)

Realismus einüben:
Häufig entsteht Stress auch im Kopf, durch überhöhte Erwartungen.

Entweder weil man sich für eine zu kurze Zeit zu viel vornimmt, und so schon durch sein eigenes Zeitmanagement unter Druck gerät. Das führt letztlich auch noch unweigerlich zu einer Enttäuschung, weil immer Einiges unerledigt bleiben wird.

Oder aber man erwartet von sich selbst, dass man immer alles perfekt ausführen sollte.

Und gerät daraufhin in Stress weil man sich nicht erlaubt hat, wirklich wichtige Tätigkeiten, die man sehr sorgfältig bearbeiten muss von solchen die weniger wichtig und sorgsam zu handhaben sind, zu trennen und somit gezwungen ist alles mit vollem Einsatz anzugehen. (vgl. 7)

Zu starkes Überengagement zu Anfang einer neuen Aufgabe setzt eine hohe Messlatte für sich selbst und die Kollegen. Dies birgt die Gefahr, diese zu Beginn starke Leistungsfähigkeit nicht dauerhaft erbringen zu können und führt häufig zu viel Frust und Stress. Besser ist es daher seine Kräfte moderat einzuteilen, um auch noch über Energiereserven zu verfügen, falls diese irgendwann gebraucht werden. (vgl. 8)

Ein Marathonläufer, der die ersten 100 Meter im Vollsprint hinter sich bringt, hat für den Rest der Strecke keine Puste mehr.

Sein eigenes Wunschdenken mit der Wirklichkeit und den realen Notwendigkeiten abzugleichen kann sehr erholsam sein.

Auch ist es unumgänglich den eigenen Zuständigkeitsbereich klar abzugrenzen und auch „Nein“ sagen zu lernen. (vgl. 9)

Für sich sorgen:
Wen man viel arbeitet kann es passieren, dass die elementaren Grundbedürfnisse des Menschen, wie Essen und Schlafen vergessen oder vernachlässigt werden. Deshalb sieht eine umfassende Burnoutprävention vor, diesen Missständen entgegen zu wirken.

Ausreichend guter Schlaf fördert eine optimistische Lebenseinstellung und kommt dadurch jeglichen Tagesaktivitäten, damit auch der Arbeit, zu Gute. (vgl. 10) Ein starker Kaffee am Morgen macht vielleicht wach, ersetzt aber nicht die Tiefschlafphasen, die den Körper entspannen und dafür sorgen, dass der Input des Tages adäquat verarbeitet werden kann. Zu wenig guter Schlaf führt auf Dauer zu einem völlig überlasteten Organismus und stellt eine extreme Belastung für die Gesundheit da. (vgl. 11)

Auch eine gesunde Ernährung hilft die Kraftreserven des Körpers wieder aufzufüllen. Außerdem setzt derjenige, der sich gesund ernährt ein Zeichen in Richtung seiner positiven Selbstfürsorge, die in dem durch Burnout gefährdeten Personenkreis häufig mangelhaft ausgeprägt ist. (vgl. 12) Wer sich auch noch Zeit nimmt und die Speisen ausreichend oft kaut, beugt Magen- Darmbeschwerden, die eine häufige Begleiterscheinung von Stress sind, vor. (vgl. 13)

Für sich selbst zu sorgen bedeutet aber auch seine Kräfte einzuteilen. Und um dies zu gewährleisten, ist es unumgänglich auch manchmal „Nein“ zu sagen und dadurch Grenzen zu setzen für sich und andere. (vgl. 14)

Freizeit gestalten:
Die freie Zeit dient als Ausgleich, zu der beruflichen Tätigkeit und sollte deshalb im Vergleich zu dieser in einem möglichst großen Kontrast stehen. Es ist deshalb durchaus hilfreich auch mal einfach nur faul zu sein, sich sogar mal bewusst dazu zu zwingen. Wenn man sich auch noch im privaten Bereich für alles verantwortlich fühlt, dient das nicht der notwendigen Entlastung.

Dahingegen bieten sich Hobbys und vor allem sportliche Aktivitäten als Gestaltungsmöglichkeiten an.

Bewegung hilft Stress abzubauen, wobei Laufen, Radfahren und Schwimmen, besonders gut geeignet sind. Vermeiden sollte man zu diesem Zweck alle Extrem- und Leistungssportarten, sie wirken hier kontraproduktiv. Es geht darum sich in seiner Freizeit von jeglichem Leistungsdenken zu verabschieden und ausschließlich sich selbst etwas Gutes tun zu wollen, um einfach auch mal abschalten zu können. (vgl. 15)

Auch ein ganz gewöhnlicher Spaziergang ohne Zeitdruck und bei Tageslicht hilft körperlichen und seelischen Stress zu minimieren, auch dabei werden die Muskeln bewegt und das Licht beugt nachweisbar depressiven Verstimmungen vor. (vgl. 16)

Kontakte pflegen:
Wenn die Arbeit im Leben einen hohen Stellenwert einnimmt, kommen private Kontakte, Freundschaften und die Familie oft zu kurz. Obwohl gerade der Austausch mit anderen dem möglichen Burnout vorbeugen kann. Seine Probleme anzusprechen kann einem dabei helfen, sie in einem anderen Licht zu sehen. Außerdem ist die Unterstützung durch Angehörige und Freunde eine dringend notwendige Zuwendung in stressigen Zeiten, der man sich gerade dann nicht auch noch entziehen sollte. (vgl. 17) Besonders gesund sind lustige Abende in Gesellschaft. Lachen senkt den Blutdruck, stärkt das Immunsystem und hilft Stress abzubauen. (vgl. 18) Wodurch die negativen Auswirkungen eines sozialen Rückzuges noch stärker hervorgehoben werden. Die Arbeit darf nicht belastend in das Privatleben übergreifen, ihr Vorgesetzter würde dies umgekehrt auch nicht gerne sehen.

Und auch das vielfach belächelte „Schwätzchen“ zwischendurch mit Nachbarn oder Kollegen dient der eigenen Psychohygiene und schadet dem Arbeitsprozess sicher nicht. (vgl. 19)

Für alle hier genannten Vorschläge gilt, dass sie niemals Patentlösungen darstellen können. Jeder muss selbst ausprobieren, was ihm gut tut und dann versuchen diese positiven Neuerungen dauerhaft in sein eigenes Leben zu integrieren, nach und nach und vor allem ohne Druck.


Quellen:
(1, 2, 3, 4, 5, 7, 12, 14, 17) mobbing-und-burnout.sozialnetz.de/ca/e/ick/
(6, 8, 10, 13, 15, 18) www.gezeitenhaus.de (Dokument nicht mehr verfügbar)
(9, 11, 16, 19) www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/burnout2.html

Burnout-Gruppe: Judith Heckert, Lea Reddig, Jola Rein, Stefan Weckbach