Therapien gegen Burnout

Leider gibt es bislang kein einheitlich genormtes Therapiekonzept gegen das Burnout-Syndrom. Oft werden jedoch Mischformen aus begleitender Psychotherapie und den bereits in der Kategorie „Präventionen und Interventionen“ genannten Maßnahmen in Anspruch genommen. Diese zeigen im Gegensatz zur „klassischen“ Therapie bislang bessere Erfolge.

Warum gibt es kein einheitliches Therapiekonzept?
Zunächst einmal ist der Begriff „Burnout“ noch nicht sonderlich alt: Das erste Mal verwendete ihn der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger im Jahre 1974, als er einen „Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung“ bei Ärzten feststellte. Als „echte“ Krankheit ernst genommen, wurde Burnout damals noch nicht und wird es selbst heute nicht immer und überall. Oft tun sich Betroffene und Ärzte gleichermaßen schwer mit einer genauen Diagnose.

Des Weiteren gibt es auch keine einheitliche Erscheinungsform des Burnouts: Die Symptome, der Verlauf und die Ursachen sind bei jedem Betroffenen grundverschieden, und müssen daher auch hoch individuell wahrgenommen und behandelt werden. Generell wird bei einer Behandlung daher eher Wert auf Selbsthilfestrategien, als auf externe Hilfe gelegt (vgl. hierzu „Prävention und Intervention“).

Eine standardisierte, verallgemeinerte Behandlung ist hierbei sogar kontraproduktiv, da sie nicht auf die eigentlich ursächlichen Probleme des Betroffenen eingeht und er diese somit auch nicht bewältigen lernt.

Also bringt professionelle Hilfe nichts?
Das stimmt nicht ganz. Der Besuch bei einem Psychotherapeuten kann durchaus hilfreich sein, denn als Außenstehender erkennt er vielleicht Zusammenhänge, die dem Betroffenen selbst nicht klar waren. Er kann Hilfestellungen bieten im Entkräften negativer Lebenseinstellungen und dem Aufarbeiten von Konflikten, und kann seine Patienten darüber hinaus leicht an weitere Anlaufstellen verweisen (z.B. für Familien- oder Gruppentherapien, wenn eines der Probleme bei fehlender Kommunikation innerhalb der Familie liegt).

Außerdem müssen manche körperliche psychosomatische Folgeerscheinungen, wie stressbedingter Hautausschlag, Migräne oder Schlafstörungen, unter Umständen zusätzlich medikamentös behandelt werden – zuvor findet eine Absprache zwischen dem Psychotherapeuten und dem jeweils zuständigen Arzt (Hausarzt, Dermatologe …) statt, in welchem Maße das Symptom einer medikamentösen Behandlung bedarf.

Wichtig zu wissen ist hierbei, dass vor der eigentlichen Therapie eine etwa halbstündige Probesitzung erfolgt, die für den Betroffenen nicht bindend ist und von seiner Krankenkasse im Allgemeinen auch bezahlt wird. Außerdem unterliegen Psychotherapeuten immer der Schweigepflicht: Man muss sich also als Betroffener weder sofort festlegen, ob man eine längerfristige Behandlung überhaupt in Anspruch nehmen möchte, noch davor fürchten dass Kollegen oder Freunde etwas davon mitbekommen, dass man beim Psychotherapeuten war.

Der Psychotherapie-Informationsdienst (PID) kann Betroffenen dabei helfen, Psychotherapeuten in der Nähe ihres Wohnortes zu finden.

Die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen ist demnach keinesfalls “nutzlos“:
Es existieren lediglich (noch) keine einheitlichen Maßnahmen gegen Burnout, die zwingend externer Hilfe bedürfen – jedenfalls hat sich keines der bisher erprobten Konzepte als langfristig hilfreich erwiesen.

Die erfolgreichsten Strategien gegen den Burnout sind jene, die man auch ohne fremde Hilfe für sich selbst anwenden kann. Die psychotherapeutische Begleitung kann hierbei sehr hilfreich sein, ersetzt diese Maßnahmen aber nicht.

Was ist mit Selbsthilfegruppen und Tageskliniken?
Für Selbsthilfegruppen gilt das Gleiche wie für Psychotherapeuten: Als begleitende Maßnahme können Betroffene durchaus davon profitieren, aber ohne die Selbsthilfestrategien für den persönlichen Alltag bringen sie als alleinige Maßnahme auf Dauer keine Verbesserung. Es kommt stark auf den Betroffenen selbst an, ob eine Selbsthilfegruppe für ihn/sie vorteilhaft ist oder nicht.

Von Tageskliniken oder stationären Einrichtungen ist jedoch abzuraten, da die Symptome des Burnouts hier oftmals fern von ihren Ursachen bekämpft werden (räumliche und emotionale Distanz von den ursprünglichen Problemen) – dies führt zwar bei den Betroffenen schneller zu positiven Ergebnissen, da sie sich auf diese Weise quasi von ihren Problemen „erholen“ können, aber die Gefahr eines Rückfalls ist dafür umso höher, wenn sie anschließend wieder in die unreflektierten, Burnout-verursachenden Lebensumstände zurückkehren und dort nichts ändern. Burnout ist nun mal ein kompliziertes Zusammenspiel innerer und äußerer Faktoren (Vgl. Burnout) und daher müssen für eine erfolgreiche Behandlung beide Kategorien ausreichend betrachtet werden. Außerdem ist die Behandlung in Tageskliniken (unabhängig von den Symptomen) oft nur auf eine kurze Behandlungsdauer angesetzt, obwohl Burnout-Patienten oft langfristige Unterstützung benötigen, was ebenfalls die Rückfallchance erhöht.

Quellen:
www.ellviva.de/Gesundheit/Burnout-therapieren-Therapie.html
www.ahg.de/AHG/Standorte/Berus/Klinik/Wie_behandeln_wir/Therapieangebot/Burnout_Behandlungskonzept.html
www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/innere-medizin/arbeitsmedizin/
www.burn-out-syndrom.org/therapie

www.psychotherapiepraxis-naiel-arafat.de/burn-out/
www.onmeda.de/krankheiten/burnout_syndrom-therapie-1528-6.html