Rollenverteilung und Motivation

Bei dem Phänomen Happy Slapping sind die verschiedensten Rollen involviert. Es gibt bei dieser Form der Gewaltanwendung nicht nur ein Opfer und einen Täter. Vielmehr sind verschiedene Rollen mit verschiedenen Funktionen und Motivationen beteiligt.

Ein genauerer Blick auf die Rollenverteilung zeigen die folgenden Personengruppen und Rollenmuster.

Da wäre zu nächst das Opfer der Tat. Grundsätzlich kann jeder zum Opfer von Happy Slapping werden. Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Opfer aus dem näheren sozialen Umfeld stammen. Beispielsweise Mitschüler oder Personen aus der Nachbarschaft. In den meisten Fällen sind männliche Jugendliche die Opfer der Gewalttat. Es kann aber auch ein zufälliger Passant zum Opfer der Angriffe werden.

Um das Phänomen zu verstehen muss man wissen, dass es nicht den einen Täter gibt. Vielmehr wirken mehrere Personen mittelbar oder unmittelbar an der Tat mit. Die „Hauptrolle“ spielt in jedem Fall der Angreifer. Also die Person, die eine andere Person körperlich attackiert. Wie auch die Opfer von Happy Slapping sind die Täter meist männliche Jugendliche. Aus psychologischer Sicht, sind Jugendliche, die kein starkes Selbstwertgefühl haben und den Umgang mit eigenen Gefühlen sich selbst aber auch anderen gegenüber, nie gelernt haben, eher der Gewalt zugeneigt. Das könnte für die Täter bedeuten, sie wollen Macht in ihrem sozialen Umfeld mit solch einer „Straftat“ zum Ausdruck bringen. Sich vor anderen, die vielleicht ein höheres Ansehen in der Clique haben, profilieren um eher in deren Kreis akzeptiert zu werden.

Eine wesentliche Rolle spielt beim Happy Slapping der Filmer. Das ist die Person, die eine Video- oder Bildaufnahme der Tat herstellt. Dies geschieht in der Regel mit Hilfe des Handys. Er wirkt nicht unmittelbar auf das Opfer ein, trägt jedoch zu dessen Schaden bei.
Oft sind die Filmer Freunde der Gewalt anwendenden Person aber auch Unbeteiligte können die Tat filmen. Die Motivation „der Filmer“ kann darin bestehen, sich durch das eigenhändig produzierte Material zu profilieren und somit als Erster in der Kette des Verteilens zu stehen.

Das Handy hat für Jugendliche einen sehr hohen Identifikationswert in deren Clique. Nicht nur das Optische, sondern auch welche Medien auf dem jeweiligen Handy gespeichert sind, kann zu einer Art Akzeptanz unter den Jugendlichen führen. Wer die coolsten und am meisten schockierenden Medien auf seinem Gerät hat, kann als eine Art „Trendsetter“ im medialen Bereich gelten.

Der Voyeur/Verteiler übernimmt die nächste Rolle. Er schaut sich das Bild- oder Videomaterial an und verbreitet es weiter. Er will die Gewalthandlung nicht selbst begehen. Für ihn besteht der Reiz im Beobachten. Er sucht sich heraus, wem er diese neue „Errungenschaft“ schickt, bzw. zeigt. Das ist ein klares Abstecken von Vertraulichkeiten, man teilt etwas, das einem gefällt nun mal nur mit Freunden, oder solchen, die man gerne als Freunde hätte.
In vielen Fällen werden Jugendliche von anderen Mitschülern oder Freunden aufgefordert, sich doch mal dieses eine neue Video anzusehen. Beim Ansehen solcher Gewalt verherrlichenden Medien wird oft eine Art „Schadenfreude“ empfunden. Man ist froh darüber, nicht in des Opfers Haut zu stecken.

Wie bei vielen anderen Jugendphänomenen wird die Tat durch Mitläufer unterstützt. Diese billigen die Tat nicht aus Überzeugung. Vielmehr geht es um Zugehörigkeit und sozialen Anschluss.

Eine weitere Personengruppe bilden die Mitwisser und Zuschauer. Sie lassen die Tat geschehen und greifen nicht ein. Gründe hierfür sind Angst, selbst zum Opfer zu werden, Überforderung aber auch Desinteresse oder mangelnde Zivilcourage.

Wichtig ist festzuhalten, dass auch die Personen, die Videos und Bilder weiterverbreiten zum Täter werden. Denn ein Schaden an dem Opfer entsteht auch durch die Verbreitung des Materials. (Vgl. 5)