Paul Klee: Gefangen, 1940

Mobbing

Definition
„Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während längerer Zeit und mit dem Ziel/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet." (1)

Aber: Eine allgemeingültige Definition von Mobbing zu finden ist schwierig!

Formen von Mobbing (nach Leymann):

  • Angriffe auf die Möglichkeit sich mitzuteilen, z. B. durch ständige Kritik oder Beschimpfungen, lächerlich machen o.ä.
  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen, z. B. durch Nichtbeachtung, „Schneiden“ oder Ignoranz
  • Angriffe auf das soziale Ansehen, durch Klatsch und Tratsch, falsche Gerüchte und Beleidigungen
  • Angriffe auf die Qualität der Arbeit, z. B. durch Informationszurückhaltung oder dadurch, dass Aufgaben zugeteilt werden, die von der Person nicht zu bewältigen sind.
    (2)


Ursachen von Mobbing:

  • Druck und Anspannung am Arbeitsplatz, "schlechtes" Arbeitsklima
  • Konkurrenz unter den Mitarbeitern, der eigene Arbeitsplatz muss "verteidigt" werden
  • Betroffene denken, "dass sie den Neid anderer auf sich gezogen haben." (3)

Beispiel "Schulischer Bereich":
Bedingungsfaktoren für Gewalt können in persönlichen Motiven des Täters liegen. Nicht nur Aggression und Angst, auch Eintönigkeit und Langeweile, der Wunsch nach Amüsement oder das Streben, sich vor Anderen zu profilieren, kann eine Ursache für Mobbingverhalten sein.

Personenbezogene Merkmale:

Rolle der Täter:

  • Oft Überforderung aufgrund komplexer Anforderungen
  • Orientierungsprobleme in der Zeit der Adoleszenz
  • Angst, sich als sozial inkompetent zu erweisen, sich lächerlich zu machen
  • Frustration, Wut
  • Gewalt als Ergebnis von Frustration und als Reaktion auf diese unbefriedigende Bedürfnislage

Ziel des Täters: Realitätskontrolle wiederherstellen, Handlungsfähigkeit aufbauen.

Rolle der Opfer:
zwei Opfertypen:
Passive Opfer: Eigene Hilflosigkeit lässt sie zum Opfer werden. Fühlen sich selbst unsicher und wertlos und werden deshalb nicht reagieren, wenn sie angegriffen und beleidigt werden.
Aggressive Opfer: Verhalten sich auf eine spezifische Weise, die in ihrer Umgebung Ärger und Spannung verursacht und so die Viktimisierung begünstigt. Das Opfer reagiert mit aggressivem Verhalten, was wiederum von anderen als Rechtfertigung für ihre gewaltsamen Verhaltensweisen definiert wird.

Rolle der Zuschauer:
Das Fehlen von Bestrafung oder Missbilligung durch Zuschauer kann die Täter in ihrem Verhalten ermutigen. Durch die eigene Passivität des Zuschauers, wird die Wahrscheinlichkeit verringert, dass andere Zuschauer aktiv reagieren.
Die Zuschauer werden dadurch zu „Ermöglichern“ von Gewalt. Sie entscheiden darüber, wie sich eine Täter-Opfer-Konfrontation entwickelt.

Auswirkungen von Mobbing
"Auf ein Unternehmen:
Kosten, Qualität, Ressourcen der Mitarbeiter/innen
Auf die Betroffenen:
Psychosomatische  und Stresssymptome
--> Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, Aufwachstörungen
Essstörungen, Verspannungen, Rücken-Nacken-und Muskelschmerzen
Schweißausbrüche, Herzrasen
Beklemmungsgefühle, Verhaltensprobleme
Kontaktarmut und Einsamkeit (Isolation)
Ängste vor Personen, Situationen, Versagensängste, Ängste vor der eigenen Reaktion
Arbeitsprobleme
Konzentrationsstörungen ,Leistungsstörungen, Redestörungen
Chronische Krankheiten
Posttraumatische Belastungsstörung
Erschöpfungszustand, reaktive Depression
Trauma --> Bedrohung der physischen und psychischen Integrität, Furcht, Hilflosigkeit
Erinnerungsdruck --> Alpträume
Übererregung --> Schlafstörungen, Reizbarkeit und Wut, Konzentrationsstörungen, Schreckreaktion
Depressionen, Erschöpfungszustand" (4)


Quellen:
Zitzmann, Christina: Alltagshelden. Aktiv gegen Gewalt und Mobbing- für mehr Zivilcourage. Praxishandbuch für Schule und Jugendarbeit, Wochenschau Verlag 2007
(1) Leymann (Hg) Mobbing. Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann. Rowohlt, 1993
(2) http://www.infoquelle.de/Job_Karriere/Mobbing/Mobbing (8.6.10)
(3) www.onlineberatung-therapie.de (8.6.10), nicht mehr online
(4) mobbing.zgv.info/download/mobbing_ursache_auswirkung.pdf
www.psychiatriegespraech.de
www.zeitzuleben.de

Bildquelle:
Paul Klee: Captive, 1940 (Ausschnitt)