„Fairplayer.manual“

Gespraechsbogen Farsta Methode

Fairplayer e.V. wurde 2003 in Bremen gegründet. Einer der Initiatoren und
Vorstandsmitglieder ist Prof. Dr. Scheithauer. Ziel dieses Projekts ist  Schulklassen und Jugendgruppen durch Lehrer/Innen und Gruppenleiter/Innen mit entwicklungsorientierte Präventionsarbeit (1) zu unterstützen. Die Präventionsmaßnahme ist nicht konzipiert worden um erst bei massiven Problemen von Bullying eingesetzt zu werden. (2)
Bei mangelnder Sozialkompetenz fehlt es an empathischen Verhalten und an der Perspektivübernahme, die uns hilft, sich in andere einzufühlen.3 Die Maßnahme fairplayer.manual soll langfristig in den Schulen/Jugendgruppen integriert werden, denn nur so ist ein Transfer in den Alltag und das verinnerlichen möglich. (4)

Die zwei tägige Fortbildung der Lehrer/Innen erfolgt durch ein fairplayer.teamer. Eine Fortbildung ist unbedingt notwendig, denn nur dann ist eine  funktionsfähige Durchführung des Projekts möglich gegeben. (5)
Die Präventionsmaßnahmen lassen sich in folgende Grobziele und Feinziele gliedern: (6)

  • Förderung zivilcouragierten Handelns
  • Förderung sozialer Kompetenzen
  • Prävention von Bullying und Schulgewalt

Feinziele:

  • Wahrnehmung dissozialen Verhaltens fördern.
  • Wissen um prosoziales Verhalten vermitteln
  • Verständnis für persönliche Verantwortung fördern
  • Bewusstsein für Notlagen/Gewaltpräventionen schärfen
  • Empathie, kognitive Perspektivübernahme fördern
  • Sozial-emotionale Kompetenzen fördern
  • Moralische(s) Sensibilität/Urteilen fördern
  • Handlungsalternativen/-strategien fördern


Die Durchführung und Bearbeitung setzt sich aus elf aufeinander folgenden Schritten zusammen. Auf Grund der lange Durchführungszeit (4-6 Monate) und vorgegebenen Zeitrahmens jedes einzelnen Schrittes soll das Verständnis für Fairness und Zivilcourage verinnerlicht werden.

Folgende Schritte im Überblick:
Schritt 1: Einführung in das Thema: Was ist fairplayer?
Schritt 2: Einführung in die Arbeitsmethoden: Wie gehen wir miteinander um?
Schritt 3: Was ist Gewalt?
Schritt 4: Zivilcourage…was ist das?
Schritt 5: „Wie es mir geht.“ Gefühle und Körpersprache
Schritt 6: „Ich hab nix gesehen…!“ Soziale Rollen beim Bullying
Schritt 7: Unsere Klasse
Schritt 8: „Was kann ich tun?“ Situationen erkennen und eingreifen
Schritt 9: „Ich denke, das ist richtig!“ Moralische Dilemmata
Schritt 10: „Typisch Kerl!...Weiber!“ Geschlechterunterschiede
Schritt 11: Abschlussrunde

Diese Schritte bauen methodisch und systematisch aufeinander und sind so konzipiert, dass die Schritte nach einander bearbeitet werden sollen. Begleitung und Hilfestellung eines fairplayer.teamers kann während der Durchführung in Anspruch genommen werden.
In dieser Maßnahme sind Rollenspiele mit Videoaufnahmen, Diskussionen und Reflexionen, Klassengespräche ein großer Bestandteil des Projekts.
Zu jedem Projektbeginn soll mit einem Einstiegs- und Abschlussritual, wie mit einem Aufwärmspiel begonnen werden. Rituale können Anspannungen lösen, Konzentrationen fördern und innere Unruhen dämmen. Zusätzlich soll eine Auflockerung der vorherigen Stunde und eine Vorbereitung auf das kommende bewirkt werden. Während der Diskussionen oder Rollenspielen ist das „Stopp-Schild“ ein fester Bestandteil des Rahmens.
Die persönlichen Grenzen anderer sollen respektiert und geachtet werden. Das Erlernen der Feedbackregeln um Sichtweisen Anderer respektieren zu können gehören ebenfalls dazu.

Um eine regelmäßige Teilnahme zu erzielen kommt es im Schritt 2 zu einem Abschluss von einem Kontrakts.
Die Gewaltbereitschaft soll durch Toleranz, Integration, Fairplay, Zivilcourage, Empathie ersetzt werden. Mit dem Participant Role Ansatz sollen vor allem auch die „Wegseher“ und „Helfer“ mobilisiert werden. Fairplay e. V. weist deutlich darauf hin, dass Hilfe geleistet werden soll, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Die Methoden basieren auf fungierte Erfahrungen und fördern beispielsweise anhand der Dilemmata-Diskussionen soziales Verständnis für das miteinander. Nach Beendigung des Projekts ist eine Weiterführung mancher Punkte unbedingt ratsam (Klassengespräch, Rituale, Stopp-Karte, Ampelkarte (wie geht es mir heute?)).

Fairplayer e.V. ist bemüht anhand des Labels die Bekanntmachung des Projekts zu erweitern. Zusätzlich arbeiten sie mit so genannten Botschaftern, wie Musiker oder Sportler, die sich gegen Gewalt an Schulen einsetzen.
Einwohner Bremens bekommen bei zivilcouragiertem Verhalten die Auszeichnung des fairplayer des Monats.
Um die Sensibilität für Gewalt an Schulen zu stärken, wird die begleitende Elternarbeit dringend empfohlen. Die Informationsabende werden von Lehrer/Innen, Betreuer/Innen und auch er fairplayer.teamer gehalten. Verschiedene Informationen über „Mobbing“ und „Bullying“ werden mit Hand-outs und Diskussionen bearbeitet. Zusätzlich fördert das
Zusammenarbeiten und die Mitgestaltung durch Eltern und Pädagogen/Innen die Transparenz und Solidarität der Schulgemeinschaft, was eine positive Auswirkung auf den Schulalltag mit sich bringt. (7)


Im November 2011 ist das Projekt bundesweit in Berlin gestartet worden und im Februar 2012 wurde Fairplayer e.V. der Europäische Preis für Kriminalprävention verliehen.

Quellen:

1 Scheithauer & H.D. Bull, fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage -
Prävention von Bullying und Schulgewalt, S. 51
2 Scheithauer & H.D. Bull, fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage -
Prävention von Bullying und Schulgewalt, S. 50
3 Vgl. Scheithauer & H.D. Bull, fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage - Prävention von Bullying und Schulgewalt, S. 26
4 Vgl. Scheithauer & H.D. Bull, fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage -
Prävention von Bullying und Schulgewalt, S. 131
5 Vgl. Scheithauer & H.D. Bull, fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage - Prävention von Bullying und Schulgewalt, S. 62
6 Vgl. Scheithauer & H.D. Bull, fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage - Prävention von Bullying und Schulgewalt, S. 51
7 Vgl. Scheithauer & H.D. Bull, fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage - Prävention von Bullying und Schulgewalt, S. 135

Literatur und dazu gehörige DVD:
Scheithauer & H.D. Bull, fairplayer.manual: Förderung von sozialen Kompetenzen und Zivilcourage - Prävention von Bullying und Schulgewalt. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Scheithauer, H. & Bull H.D. (2008). DVD mit Begleitmaterialien zum fairplayer.manual. In H.
Internetquelle:
www.fairplayer.de/die-initiative/News-Award-Gewinner/, Download vom 28.05.2012

Text: Katharina Kral