Der „No Blame Approach“

Der „No Blame Approach“ (wörtlich „Ohne Schuld Ansatz“) ist ein
Interventionsprogramm gegen Mobbing. Dieser wurde 1990 in England von Maines und Robinson entwickelt; der Schweizer, Christopher Szaday knüpfte an diesen Ansatz an und führte diesen in der Praxis durch. [1] Wilfried Schubarth ordnet diesen Ansatz „der Tradition systemischer und kurzzeittherapeutischer Ansätze“ zu. [2] [3]

Die Idee dieses Ansatzes ist es, dass Mobbing nicht bestraft und das auf Schuldzuweisungen verzichtet wird. [4] Es herrscht in diesem Modell keine Schuldzuweisung von Täter oder Opfer. Somit muss der Hergang des Vorfalles und dessen Vorgeschichte nicht rekonstruiert werden. [5]  Rechtfertigungen werden somit überflüssig und das Erlebte muss nicht erneut durchlebt werden. Im Vordergrund steht die Lösung des Mobbing-Problems.

Im allgemeinen wird bei dem „No-Blame-Approach“ von den drei Schritten gesprochen, welche wären; Gespräche mit Mobbing-Betroffenem,  Gespräche mit der Unterstützungsgruppe (ohne den Betroffenen!) sowie die Nachgespräche mit den einzelnen Betroffenen. [6] Diese werden anschließend näher beschrieben.

Christopher Szaday hat jedoch noch weitere Punkte aufgeführt die da wären: Probleme klären, keine Schuldzuweisung, Gruppe nach ihren Ideen fragen und die Verantwortung der Gruppe übergeben. [7] Führt man diese Schritte zusammen würde der Ablauf wie folgt aussehen:

 

Methoden des „No-Blame-Approach“

Um die Methode zu strukturieren wurden die verschiedenen Schritte definiert und näher beschrieben. Die Abfolge ist wichtig, da sie aufeinander aufbaut.

Die anschließende Beschreibung geht von einem Mobbingfall in der Schule aus.

Es werden im Folgenden die drei Schritte der „No-Blame-Methode“ vorgestellt, wie sie von Christopher  Szaday und dem Team von No Blame Approach.de beschrieben werden.[8]

Schritt 1: Gespräch mit Mobbing-Betroffenem

Wird ein Fall von Mobbing bekannt, sollte sich der Lehrer bzw. die Lehrerin mit den Eltern des betroffenen Kindes oder Jugendlichen in Verbindung setzen und ihr Einverständnis einholen. Dann kann die Lehrerperson mit dem Betroffenen sprechen. Dabei ist nicht der Vorfall von Interesse, aber die Gefühle und wer an dem Mobbing beteiligt war. No-Blame-Approach.de verdeutlicht bei diesem Schritt erneut die Wichtigkeit von Vertrauen, welches zwischen der Lehrerperson und dem/der Betroffenen hat.

Schritt 2: Gespräch mit Unterstützungsgruppe (ohne dem Betroffenen!)

Das sogenannte „Herzstück des Ansatzes“. [9] Die, von der betroffenen Person genannten, Mitschüler werden von dem Lehrer oder der Lehrerin zu einem Treffen eingeladen, bei dem kein Grund genannt wird. Eingeladen werden Täter und Täterinnen, Mitläuferinnen und Mitläufer sowie weitere wichtige Personen, die zwar beim Mobbing nicht mitagiert haben, jedoch „eine konstruktive Rolle bei der Lösung der problematischen Situation“ [10] spielen können. Zusammen bilden sie die Unterstützungsgruppe. [11] Diese Gruppe wird über die problematische Situation aufgeklärt, wobei darauf geachtet werden sollte, dass keine Schuldzuweisungen stattfinden! Die Anwesenden werden über die Gefühle der betroffenen Person informiert und im Anschluss darum gebeten, „Vorschläge zu entwickeln, um dem Opfer zu helfen“. [12] Bei diesem Treffen wird die Verantwortung, diese Mobbing-Situation zu lösen wird der Gruppe übergeben und die Treffen für die Nachgespräche werden vereinbart.

Schritt 3: Nachgespräche (einzeln)

Szaday spricht von einer Woche, das No-Blame-Approach.de Team sieht ein bis zwei Wochen vor, bis die Lehrerperson mit den Kindern bzw. Jugendlichen wieder spricht. Die Gespräche erfolgen einzeln, wobei auch die betroffene Person dazu befragt wird, wie sich die Dinge entwickelt haben.

Zweck des einzelnen Nachgespräches ist, dass jeder Schüler und jede Schülerin direkt in der Verantwortung steht und sich über den Schutz und das Wohlergehen der betroffenen Person Gedanken macht. Bei diesem Gespräch sollten, so Szaday, keine Warum-Fragen gestellt werden. Auch hier werden die Vorfälle und ihre Ursachen nicht untersucht, der Fokus ist nach wie vor auf die Lösung gerichtet.

Literaturverzeichnis

Schubarth, Wilfried (2010): Gewalt und Mobbing an Schulen. Möglichkeiten der Prävention und Intervention. Stuttgart

Christopher Szaday (2001): Mobbing unter Schülerinnen und Schülern. Der „No Blame Approach“

Internetquellen

www.no-blame-approach.de/noblameapproach.html  (am 14.Mai 2012)


[1] Vgl. Schubarth (2010) S.153

[2] Schubarth (2010) S.153

[3] Stichwort: De Shazer

[4] Vgl. www.no-blame-approach.de

[5] Vgl. Schubarth (2010) S.153

[6] Ebenda, Vgl. www.no-blame-approach.de

[7] Vgl. Christopher Szaday (2001) S. 5

[8] Vgl. Christopher Szaday (2001) S. 6-8

  Vgl. www.no-blame-approach.de

[9] www.no-blame-approach.de

[10] Christopher Szaday (2001) S. 6

[11] Die optimale Gruppengröße: 6 bis 8 Kindern und Jugendlichen

[12] Schubarth (2010) S. 153

 

Text: Filomena Cirillo