Ursachen für Mobbing an Schulen

von Isabell Köhler

Die Ursachen für Mobbing an Schulen sind vielfältig.
Der Machtfaktor spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Es ist das Gefühl der Dominanz, das Gefühl, das man über eine andere Person bestimmen kann. Als Mobber hat man somit ein Gefühl von Stärke. Es macht Spaß in der dominanten Position zu sein. Somit wird das Mobbing beim Täter mit positiven angenehmen Gefühlen verbunden und begünstigt die Ausübung von Gewalt.

Mobbing kann auch ein Entlastungsventil für Aggressionen sein, die auf andere Weise nicht ausgelebt werden können. [1] So suchen sich Mobber meist Personen, von denen keine Gegenwehr zu erwarten ist und die deshalb als Zielscheibe für Aggressionen besonders „geeignet“ erscheinen. [2]

Die Angst in der Schule zu versagen kann auch letztendlich zu Mobbing führen. Nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in der Schule wächst der Konkurrenzdruck. Somit steigt auch bei den Schülern die Angst, diesen Anforderungen nicht gerecht werden zu können. Die Gefühle der Angst und die mögliche Frustration über eigene Leistungen können dazu führen, dass man andere Mitschüler mobbt, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken. Somit kann Mobbing als Versuch angesehen werden, die eigenen Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren.

Darüber hinaus wird es wahrscheinlicher, dass eine Person mobbt, wenn diese selbst schon einmal von Mobbing betroffen war bzw. allgemein Opfer von Gewalt war. Das Mobbing stellt somit einen Versuch dar, den eigenen erlebten Ohnmachtsgefühlen zu entfliehen und nun selbst in eine Machtposition zu gelangen. [3]

Ursachen von Gewalt und Aggressionen

Um angemessene präventive Ansätze zur Vorbeugung von Gewalt und Aggression entwickeln zu können, ist es wesentlich, sich mit den möglichen Ursachen von Gewalt und Aggressionen auseinanderzusetzen. Hierbei gibt es eine Fülle von Theorien, die versuchen, dem Phänomen mehr auf die Spur zu kommen.

In diesem Aufsatz werden psychologische Theorien zur Erklärung von Gewalt und Aggression vorgestellt. Anhand von Beispielen aus dem Bereich Gewalt an Schulen werden die Theorien näher erläutert. Darüber hinaus werden präventive Ansätze vorgestellt, die sich aus diesen Theorien ergeben. Es ist anzumerken, dass der Aufsatz nicht auf alle Theorien eingeht. So beschäftigt sich beispielweise auch die Soziologie mit möglichen Ursachen von Gewalt und Aggression. Im Literaturverzeichnis wird auf weiterführende Literatur verwiesen.

1. Die Frustrationstheorie

Nach der Frustrationstheorie entsteht Aggression als Reaktion auf Frustration. Aggression entsteht somit reaktiv auf unangenehme Situationen wie Angriffe, Belästigungen und dergleichen. Es muss aber nicht gezwungenermaßen auf eine Frustration Aggression folgen, denn Frustration schafft Anreize für verschiedene Verhaltensweisen. Möglich sind z.B. auch konstruktive Reaktionen, aber auch Reaktionen wie Resignation oder Selbstbetäubung. Des Weiteren ist nicht bei jeder Aggression die Ursache eine vorangehende Frustration, so z.B. bei Kriegshandlungen oder Erpressungen. Aggression von Kindern und Jugendlichen kann somit als eine zielgerichtete Antwort auf eine subjektiv wahrgenommene Provokation verstanden werden. Mit der Frustrations-Aggressions-Theorie kann auch die so genannte „verschobene“ Aggression erklärt werden. Hier findet eine Umleitung der Aggression vom eigentlichen Frustrator hin zu einer anderen meist schwächeren Person statt. Diese verschobene Aggression findet sich häufig im Schulalltag. Wenn z.B. ein Schüler von einem Lehrer getadelt wird, lässt dieser den Frust nicht am Lehrer aus, da er hier mit negativen Sanktionen zu rechnen hat, sondern er sucht sich einen schwächeren Mitschüler aus, von dem keine Gegenwehr zu erwarten ist.

Aus der Frustrationstheorie ergeben sich nun folgende mögliche präventive Ansätze:

Es ist wichtig, dass Dauerfrustrationen bei Personen verhindert werden, damit sich diese nicht immer mehr aufstauen und letztendlich in Aggressionen und Gewalt entladen. Ärgergefühle sollten verbalisiert werden, um einzuschätzen, ob diese angemessen sind oder ob eine Situation falsch interpretiert wurde. Des Weiteren sollte hierbei diskutiert werden, wie Ärgergefühle angemessen ausgedrückt werden können, ohne den Gegenüber zu verletzen. Die Entwicklung von Frustrationstoleranz und Affektkontrolle sind wesentlich, um das Aufkommen von Aggressionen zu verhindern. Entspannungsübungen können helfen, aggressive Gefühle aufzulösen. [4]

2. Die Lerntheorie

Bei der Lerntheorie entsteht Aggression durch Lernprozesse. Die Lernprozesse können hierbei unterschiedlich verlaufen. So lernen Menschen z.B. am Modell, das heißt sie lernen, indem sie andere beobachten. Wesentlich sind dabei primäre Bezugspersonen wie die eigenen Eltern. Wenn Verhaltensweisen von anderen Personen als erfolgreich eingestuft werden, steigt somit die Wahrscheinlichkeit, dass die beobachtende Person diese Verhaltensweise übernimmt. Wenn z.B. ein Schüler beobachtet, dass ein Störenfried vom Lehrer und von den anderen Mitschülern mehr beachtet wird, könnte die Verhaltensweise des Störenfrieds für den Schüler zu einem anstrebenswerten Modell werden.

 Zum anderen lernen Menschen auch am eigenen Erfolg bzw. Misserfolg. Demzufolge nehmen Aggressionen bei Kindern zu, wenn sie für diese gelobt werden. Wesentlich ist, dass gelegentliche Erfolge verstärkender wirken als ständige Bekräftigung. [5] Man spricht hierbei in der Psychologie vom intermittierenden Faktor (verstärkenden Faktor), der durch den Psychologen B.F.Skinner entdeckt wurde. Dieser Faktor erklärt z.B. auch, warum manche Menschen eine Glücksspielsucht entwickeln. [6]

Aus der Lerntheorie ergeben sich nun folgende präventive Ansätze:

Es ist wesentlich, dass aggressive Verhaltensweisen konsequent kritisiert werden, da gelegentliche Erfolge eine stärkere Wirkung haben und dazu führen, dass aggressive Verhaltensweisen eher verfolgt werden. Damit in Verbindung sollten alternative nicht-aggressive Verhaltensweisen erarbeitet und erlernt werden. [7]

3. Die psychoanalytische Theorie

Aggression ist bei der psychoanalytischen Theorie Folge eines bedrohten Selbst. Sie ist Ausdruck komplizierter Störungen der gesamten Persönlichkeit. So z.B., wenn eine Person in der Kindheit Traumatisierungen erlitten hat. Hintergrund von Aggressionen sind somit geschwächte Ich-Strukturen und Aggression ist ein hilfloser Versuch, die Gefühle der Angst und der Bedrohung unter Kontrolle zu bekommen. Die Person kommt durch aggressives und gewalttätiges Handeln selber in eine Machtposition und versucht somit, aus der eigenen Ohnmachtsposition zu entfliehen. Aggressives Verhalten stellt demnach einen Versuch dar, das bedrohte Selbst zu stabilisieren. Bei Kindern und Jugendlichen weist aggressives Verhalten darauf hin, dass sie mehr Aufmerksamkeit, Zuwendung und Bestätigung erhalten wollen, aber nicht wissen, wie sie diese erreichen können. Können die Kinder Gefühle wie Wut und Enttäuschung beispielsweiße nicht gegen ihre Eltern richten, etwa aus Angst vor Sanktionierung, so lassen sie diese Gefühle in der Öffentlichkeit wie z.B. der Schule aus.

Aus der psychoanalytischen Theorie ergeben sich nun folgende präventive Ansätze:

Es ist wichtig, den einzelnen Menschen stärker im Blick zu nehmen, um herauszufinden, ob Einzelfallhilfe geleistet werden sollte. So z.B., wenn eine Person unter Ängsten leidet, die ihr Selbstbewusstsein schwächen und die dazu führen, dass die Person aus Hilflosigkeit auf aggressives Verhalten zurückgreift. In der Schule sollte beispielsweise ein Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens gefördert werden, damit die Schüler sich sicher fühlen können. Darüber hinaus ist es wichtig, den Einzelnen Anerkennung zu schenken, um somit das Selbstwertgefühl zu stärken und den Nährboden für Aggressionen zu verringern. [8]

Quellen:

[1] vgl. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/MobbingSchule.shtml
[2] vgl. Werner 2013, S. 20-24
[3] vgl. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/MobbingSchule.shtml
[4] vgl. Schubarth 2010, S. 23f.
[5] vgl. ebd., S. 24ff.
[6] vgl. www.uni-due.de/edit/lp/behavior/skinner.htm
[7] vgl. Schubarth 2010, S. 24ff.
[8] vgl. ebd., S. 30ff.

Literaturverzeichnis:
Fliegel, Steffen (2000) : Mobbing in der Schule. In: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/MobbingSchule.shtml. [letzter Zugriff am 20.12.2013]
Operante Konditionierung nach Skinner. In: www.uni-due.de/edit/lp/behavior/skinner.htm. [letzter Zugriff am 20.12.2013].
Schubarth, Wilfried (2010): Gewalt und Mobbing an Schulen. Möglichkeiten der Prävention und Intervention. Stuttgart. Kohlhammer Verlag.
Werner, Stefan (2013): Mobbing - opferorientierte Hilfen für Kinder und Jugendliche. Grundlagen und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Mobbingopfern. Basel; Weinheim. Juventa Verlag.

 Video zum Thema Mobbing an Schulen:
Planet Wissen: Mobbing? Was tun gegen den Psychoterror? In:http://www.ardmediathek.de/tv/Planet-Wissen/Planet-Wissen-Mobbing-Was-tun-gegen-d/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=12994052&documentId=35780148 . [letzter Zugriff am 20.12.2013].