Sexting

Der Begriff „Sexting“ setzt sich aus den zwei englischen Begriffen „sex“ und „text“ bzw. „texting“ zusammen.[1] Während der Begriff „sex“ im Deutschen synonym verwendet wird, bedeutet „text“ vom englischen übersetzt „Nachricht senden“[2].

Eine eindeutige und gebietsübergreifende Definition, so wie für die meisten der neuen Internetphänomene, gibt es für den Begriff „Sexting“ noch nicht.[3]

„Das Nationale Center for Media and Exploited Children (NCMEC) definiert Sexting als eine von Jugendlichen ausgeübte Handlung, die das Schreiben und Versenden von sexuell eindeutigen Nachrichten (per E-Mail oder SMS) oder das Aufnehmen und Versenden von sexuell eindeutigen Nachrichten beinhaltet.“ Was bei dieser Definition fehlt ist, dass Erwachsene nicht mit einbezogen sowie auch die Tatsache, dass Fotos mittels Bedrohung oder Unter-Druck-Setzen beschafft werden.[4]

Gründe:

Es ist zu vermuten, dass besonders für Eltern die Gründe für „Sexting“ bzw. für das Versenden von eigenen intimen oder sogar erotischen Fotos schwer nachvollziehbar ist. Dabei ist es nicht neu, dass intime Fotos von Jugendlichen für Jugendliche gemacht werden, sondern dass die Bilder innerhalb kürzester Zeit sehr viele Personen erreichen können.[5]

Zudem ist die Selbstdarstellung ein Teil unserer Kommunikation und ist Bestandteil eines (gesunden) menschlichen (Kommunikations-)Verhaltens, das es auch schon immer gegeben hat und sogar notwendig ist.[6] Im „Sex and Tech“ Bericht  geben weibliche Jugendliche unter anderem folgende Gründe für das „Sexting“ an: aus Spaß, zum Flirten, als Geschenk für den Freund, Bedrängung durch den Freund oder sich „sexy“ fühlen.[7]

Mit dem medialen Aspekt und dem Selbstverständnis, dass Freundschaften und Beziehungen immer mehr interaktiv in Sozialen Netzwerken stattfinden, ist die Selbstdarstellung im Netz eine logische Schlussfolgerung daraus.[8] Dennoch kann angenommen werden, dass eher mit Ende der Pubertät die Bereitschaft zum „Sexting“ steigen kann, da während der Pubertät das Schamgefühl größer ist.[1]

Gefährlich kann „Sexting“ gerade aufgrund des medialen Zusammenhangs werden, da dadurch die Schwelle zum Cybermobbing sinken kann. Intime Fotos oder sogar Videos können sehr leicht per Internet oder Handys bzw. Smartphones verbreitet und vervielfacht – zum Schaden der Abgebildeten - werden. [2]

Zahlen:

Aufgrund der fehlenden eindeutigen Definition für den Begriff „Sexting“ und unterschiedlichen Messmethoden in verschiedenen Studien, liegen sehr unterschiedliche Statistiken zum „Sexting“ vor. Nach den Angaben des „Sex and Tech“ Berichts geben 20 % der Jugendlichen im Alter von 13 bis 19 Jahren zwischen September 2008 und Oktober 2008[3] an, nackt oder beinahe nackte Bilder oder Videos von versendet oder ins Netz gestellt zu haben.[4]

Im Vergleich dazu geben 65 % der Jugendlichen in der Jim-Studie an, eigene Fotos oder Videos ins Netz gestellt zu haben. Bei der Jim-Studie ist allerdings unklar, ob es sich um intime Fotos und Videos handeln.[5]

Weiterhin geben im „Sex and Tech“ Bericht 40 % der Jugendlichen an, ein intimes Bild schon einmal empfangen zu haben.[6] Daben sind 75 % der Jugendlichen die möglichen negativen Konsequenzen von „Sexting“ bewusst.[7]

Rechtslage

Die „Verbreitung, Erwerb und Besitz von kinderpornographischen Schriften“ (bei Kindern unter 14 Jahren) ist nach § 184b StGB eine Straftat und wird gemäß dem Gesetz mit Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.[8]

Bei pornographischen Schriften von Jugendlichen(unter 18 Jahre) wird gemäß § 184c StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.[9]

Eine Unterscheidung ist zwischen diesen beiden Gesetzten nach § 184c Abs. 4 StGB in dem Sinne vorhanden, dass bei jugendpornographischen Schriften eine Strafe aufgehoben werden kann, wenn der oder die Jugendliche der Herstellung von den pornographischen Schriften wie z.B. Fotos eingewilligt hat.[1]

Desweiteren ist auch das Kommentieren von Nacktbildern auf Facebook eine Straftat und kann bzw. sollte von den Opfern als Beleidigung gemäß § 185 StGB angezeigt werden.

In Wiesbaden und im Rheingau-Taunus-Kreis gab es bis Mitte November 2013 24 Anzeigen, allein in Wiesbaden gäbe es pro Monat zwei bis drei Ermittlungsverfahren wegen „Sexting“. In Darmstadt sind ebenfalls Anzeigen wegen „Sexting“ bekannt.

Noch unklar ist, ob die Bedrängung zum „Sexting“ sogar als Nötigung nach § 240 StGB oder nach § 253 StGB als Erpressung zählen kann.[2]


[1]http://www.projuventute.ch/fileadmin/kundendaten/angebote/medienprofis/downloads/de/Medienprofis_Merkblatt_Sexting_Lehrpersonen_DT.pdf (letzter Zugriff am 26.11.2013)

[2] http://dict.leo.org/#/search=texting&searchLoc=0&resultOrder=basic&multiwordShowSingle=on (letzter Zugriff am 21.12.2013)

[3] Gasser, Urs/Cortesi, Sandra/Gerlach, Jan (2012): Kinder und Jugendliche im Internet. Risiken und Interventionsmöglichkeiten. Mit einem Beitrag zur digitalen Didaktik von Peter Gasser. 1. Auflage. Bern. Hep der Bildungsverlag, S. 67.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Gasser/ Cortesi/ Gerlach (2012), S. 67.

[6] http://www.projuventute.ch/fileadmin/kundendaten/angebote/medienprofis/downloads/de/Medienprofis_Merkblatt_Sexting_Lehrpersonen_DT.pdf (letzter Zugriff am 26.11.2013)

[7] Gasser/ Cortesi/ Gerlach (2012), S. 71.

[8] www.cyber-mobbing-info.de/cyber-mobbing-was-ist-das/jugendliche-und-die-neuen-medien (letzter Zugriff am 26.11.2013)

[9] http://www.projuventute.ch/fileadmin/kundendaten/angebote/medienprofis/downloads/de/Medienprofis_Merkblatt_Sexting_Lehrpersonen_DT.pdf (letzter Zugriff am 26.11.2013)

[10] Vgl. Gasser/ Cortesi/ Gerlach (2012), S. 67.

[11] www.thenationalcampaign.org/sextech/PDF/SexTech_Summary.pdf (letzter Zugriff am 26.11.2013)

[12] Gasser/ Cortesi/ Gerlach (2012), S. 69.

[13] Vgl. Jim-Studie (2012): Jugend, Information, (Multi-) Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, S. 46.

[14] Vgl. http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=34954&key=standard_document_50130721  (letzter Zugriff am 21.12.2013)

[15] Gasser/ Cortesi/ Gerlach (2012), S. 71.

[16] http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184b.html (letzter Zugriff am 26.11.2013)

[17]  http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184c.html (letzter Zugriff am 26.11.2013)

[18]  Vgl. http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184c.html (letzter Zugriff am 26.11.2013)

[19] www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp (letzter Zugriff am 26.11.2013)

 

Text: Elif Ulutas