Geschlechts- und altersspezifische Merkmale in Bezug auf Stress

Der Entdecker des Stress, Dr. Hans Selye formulierte es so: „Stress ist die Würze des Lebens.“ Wie bei allen Gewürzen muss man jedoch auf die Menge achten. So ist es auch bei Stress. Er ist nicht zwangsläufig negativ, teilweise sogar erforderlich, nur zu viel davon macht krank.

Geschlechtsspezifische Merkmale

Betrachtet man dieses Thema geschlechterspezifisch, ist festzustellen, dass Frauen stressresistenter sind als Männer. Auf körperlicher Ebene ist dies auf die Östrogene zurückzuführen, die die Frau vor dem Adrenalinüberschuss schützen. Jedoch ist auch zu sagen, dass Frauen häufiger gestresst sind. Dies liegt daran, dass ihr Blick auf den Alltag ganzheitlicher, umfassender ist, als der von Männern. Man macht sich schnell auch Sorgen, um Geschehnisse aus der Umwelt und fühlt sich für mehr verantwortlich, als man eigentlich ist.  Zudem wurde festgestellt, dass Frauen in sogenannten „Stress-Tests“ besser abschneiden. Hierzu verhelfen ihnen die besseren Einschätzungen über ihre persönlichen Ressourcen. Wenn sich Frauen überfordert fühlen, neigen sie dazu, den Test abzubrechen. Sie nehmen ihre Empfindungen ernst und geben ihnen nach.

Männer sind also allgemein stressfähiger als Frauen. Dies äußert sich durch einen höheren Hormonspiegel. Im Gegensatz zu den Frauen konzentrieren sich Männer zwar eher nur auf eine, wesentliche Sache, steigern sich in diese aber umso mehr hinein. Auch in den bereits erwähnten „Stress-Tests“ kommt es dem männlichen Geschlecht eher auf die Leistung, als auf das Ergebnis an. Selbst wenn sie merken, dass ihnen der Stress zu viel wird und die Situation sie überfordert, führt dies nicht zu einem Abbruch des Tests. Es würde einer Niederlage gleichen. Hierauf ist auch zurückzuführen, dass Männer schlechter in den Tests abschneiden als Frauen. Ein gewisses Maß an Stress gilt auch in Prüfungssituationen als Motivator, zu viel davon führt jedoch zu Fehlern.

 

Altersspezifische Merkmale

Die Studie „Kelly World at Work Survey“ aus dem Jahr 2005 zeigt, dass 28 Prozent der deutschen Arbeitnehmer ihre Tätigkeit als zu anstrengend und überfordernd empfinden. Insgesamt wurden 19.000 Angestellte aus zwölf europäischen Ländern befragt. Betrachtet man die deutschen Arbeitnehmer im Vergleich zu denen der anderen elf Länder, liegen sie mit ihren Aussagen knapp über dem Durchschnitt. An der Spitze dieser Studie stehen Schweden und die Schweizer mit einem berechneten Stressfaktor in Bezug auf ihre Arbeit mit 33 Prozent. Die Spanier, Briten und Niederländer bilden das Ende der Kette und geben an, sich am wenigsten be- und/oder überlastet zu fühlen.

Diese Studie macht ebenso deutlich, dass das Stressempfinden sich im Laufe des Lebens verändert. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen sind es lediglich 22 Prozent, also ein knappes Fünftel derer, die sich bei der Arbeit überlastet fühlen. Bei einer Altersgruppe von über 45-Jährigen hat sich diese Angabe mehr als verdoppelt, beträgt 45 Prozent. Jedoch muss beachtet werden, dass dieser erhöhte Stressfaktor in den nächsten Jahren wieder abnimmt, da Faktoren, wie beispielsweise die finanzielle Sicherheit hohen Einfluss auf die Vorstellungen nach dem Erwerbsleben haben.

In Zusammenhang hierzu wurde aber auch festgestellt, dass sich Arbeitnehmer, die sich über eine längere Zeit im Berufsleben befinden und über Jahre hinweg den selben Job ausführen, weitaus gestresster sind, als Menschen, die ihren Beruf oder die betroffenen Position noch nicht sehr lange ausüben.

Jedoch scheint der Stressfaktor am Arbeitsplatz nicht nur auf das Alter zurückzuführen sein. Auch die Bildung nimmt Einfluss darauf. Demnach sind Hochschulabsolventen doppelt so stressanfällig wie Arbeitnehmer ohne einen Universitätsabschluss.