Foto-Schreibkraft am Computer

Wenn also Bedeutung, Berechenbarkeit und Belohnung der Arbeit und vor allem Einflussmöglichkeiten zu den wichtigsten stressreduzierenden Faktoren zählen, verwundert es kaum, dass Führungskräfte weniger stressanfällig sind als normale Angestellte, da sie einen großen Handlungsspielraum in Bezug auf ihren Arbeitsalltag haben. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass vor allem Schicht- und Leiharbeit oder Berufe, die ständige Abrufbereitschaft fordern, stressbelastet sind, da hier kaum Gestaltungs- bzw. Einflussmöglichkeiten für die Mitarbeiter bestehen und der Zeitdruck besonders hoch ist.

Untersuchungen haben ergeben, dass ältere Arbeitnehmer in der Regel weniger stressanfällig und zufriedener sind als jüngere Arbeitnehmer, aber trotz des Altersunterschieds genauso belastbar. Dies liegt unter anderem darin begründet, dass ältere Arbeitnehmer in der Regel über finanzielle Sicherheit verfügen und in dieser Hinsicht weniger existentielle Sorgen haben. Dabei verdienen sie nicht unbedingt mehr als ihre jüngeren Kollegen. Hier ist allerdings anzumerken, dass der Finanzbedarf mit zunehmendem Lebensalter auch abnimmt, da z.B. die Kinder der Familie schon erwachsen sind und auf eigenen Beinen stehen. Darüber hinaus sind auch andere Faktoren, wie z.B. die persönliche Gewichtung des Arbeitsinhaltes, bedeutsam für die Arbeitszufriedenheit älterer Beschäftigter. Es soll hier aber nicht weiter darauf eingegangen werden.

Letztlich ist noch zu erwähnen, dass Berufe im sozialen oder gesundheitlichen Bereich die größte Stressgefährdung bergen, da diese Arbeitsfelder in der Regel von physischen, psychischen und psychosozialen Hilfeinterventionen mit hohem persönlichem Engagement gekennzeichnet sind und eine starke emotionale Verwicklung sowie eine große Verantwortungskomponente aufweisen. Dabei haben diese Berufsgruppen mit knappen Geld- und Zeitressourcen zu kämpfen und stetigem Personalmangel. Auch die monetäre Entlohnung ist je nach Arbeitsfeld vergleichsweise unangemessen.   

Allerdings sollte auch noch kurz auf die positive Seite von Stress hingewiesen werden, denn ein gesundes Maß an Stress – idealerweise ein Zustand zwischen Hektik/ Nervosität und Langeweile/ Müdigkeit –  wirkt antriebssteigernd und somit leistungs- und entwicklungsfördernd. Man wächst sozusagen über sich hinaus und erreicht so unter Umständen unerwartete Ziele. Mittlerer Stress bewirkt die höchste Leistungsfähigkeit, er entsteht dort, wo die persönlichen Fähigkeiten und die zu bewältigende Herausforderung im Einklang sind. Dieser sogenannte positive Stress wird auch als „Eustress“ bezeichnet. Negativer Stress wird „Distress“ genannt und zeichnet sich durch lang anhaltendes Stresserleben und in der Folge durch negative körperliche Auswirkungen bis hin zu diversen Krankheiten aus.

Im Fazit ist zu sagen, dass sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter aufmerksam prüfen sollten, mit wie viel Stress der Arbeitsplatz belegt ist und welche persönlichen und betrieblichen Konsequenzen sich daraus ergeben. Denn Stress macht nicht nur auf Dauer krank, sondern ist zudem auch teuer, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2006 die Kosten für psychische Störungen, die auch aus Stress resultieren können, 26,7 Milliarden Euro betrugen.
Rund 11% der Krankheitsausfälle in Deutschland sind durch psychische Erkrankungen bedingt, die somit zu den vierthäufigsten Krankheitsarten zählen, die aber auch oft nicht korrekt diagnostiziert werden. Darüber hinaus gehören sie auch zu den kostenintensivsten Erkrankungen, gleich nach Herz-Kreislauf-Störungen (35,2 Milliarden/ 2006). Der Gesundheit und der Finanzen wegen sollte man sich also aufmerksam auf Stresssymptome prüfen, diese ernst nehmen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

 

Literatur:
Leidig, Stefan: Psychischer Stress am Arbeitsplatz: Betriebliche und klinische Schnittstellen, in: Leidig, Stefan/ Limbacher, Klaus/ Zielke, Manfred (Hrsg.): Stress im Erwerbsleben: Perspektiven eines integrativen Gesundheitsmanagements. Lengerich: Pabst Science Publishers, 2006
Schulte, Karsten: Arbeitszufriedenheit über die Lebensspanne, Eine empirische Analyse zu den Ursachen für die hohe Arbeitszufriedenheit älterer Beschäftigter. Hrsg. von Fischer, Lorenz/ Wiswede, Günter: Beiträge zur Wirtschaftspsychologie. Band 8, Lengerich: Pabst Science Publishers, 2005

Internetquellen:
Litzcke, Sven Max und Schuh, Horst: Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz. 4.Auflage, Heidelberg, 2007
Stangl, Werner: Stress. (23.04.2010)
DAK Forschung: Gesundheitsreport 2009, 23.04.2010
Musikvideo: Konzertausschnitt mit Ladi Geisler. In 3sat Mediathek (23.04.2010)
Schaudy, Dr. Franz J.: Statussymbol und Krankmacher: Eustress – Distress – Extreme stress… what’s next?, 04.08.2009 (
www.karriere.at, 23.04.2010)
Arbeit-Stressfaktor Nr.1/ Sendung vom 04.03.2010. (Stand: 23.04.2010)
Statistische Bundesamt (Destatis): Gesundheitswesen: 26,7 Milliarden Euro durch psychische Erkrankungen. 10.03.2009. (23.04.2010)

Bildquelle:
Stress-Arbeitsgruppe, fbgs, 2010