Kinder und Stress

Stress – ein Begriff, der mittlerweile zum Kennzeichen unserer Gesellschaft geworden ist. Jeder kennt ihn, jeder hat ihn und es gibt kaum einen Lebensbereich, der nicht mit Stress in Verbindung gebracht werden kann. Hierzu zählt beispielsweise der Beziehungsstress, Freizeitstress, Karrierestress, Prüfungsstress, Schulstress etc.

In den vergangenen Jahrzehnten ist Stress im Zusammenhang mit den rasanten Veränderungen unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu einem allgegenwärtigen Thema geworden. In den Medien erscheinen regelmäßig Berichte von Menschen, die an „Burn-out“ leiden. Der Markt für Ratgeber, Entspannungstechniken und Wellness-Trends boomt.

Da nicht nur Erwachsene unter Stress leiden, sondern häufig auch Kinder davon betroffen sind, soll im nächsten Abschnitt das Thema Kinder und Stress erläutert werden. Auf Grundlage dessen soll im weiteren Verlauf auf die Ursachen und die Präventionsmaßnahmen bei Kindern eingegangen werden.

Lange Zeit beschränkte sich die Stressforschung ausschließlich auf Erwachsene. Inzwischen zweifelt jedoch niemand mehr daran, was neueste Studien zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen belegen. Kinder sind bereits von akuter Stressbelastung und ihren komplexen Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit betroffen. Unruhe, Anspannung und Verhaltensauffälligkeiten beeinflussen das soziale Miteinander. Die Lern- und Lebensbedingungen vieler Kinder lassen kaum noch Raum für Erholung. Parallel dazu boomt der Markt für Psychopharmaka für Kinder.

Aktuelle Studienergebnisse zum Thema Kinder und Stress:

  • Laut einer Forsa-Umfrage von 2008 beobachten 42% aller Eltern bei ihren Grundschulkindern regelmäßig Schulstress-bedingte Störungen der körperlichen und/oder seelischen Gesundheit. 12% davon erhalten Medikamente, mit steigender Tendenz.
  • In einer Studie von Hampel (2001), gaben nur 36% von 1000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 14 Jahren an, keine Einschlafschwierigkeiten zu haben.
  • Bei einer Studie der Techniker Krankenkasse berichten 72% aller befragten Kinder zwischen 7 und 11 Jahren von regelmäßigen Stresserlebnissen. 36% davon haben keine Vorstellung über die Ursachen ihrer Stressempfindungen. 25% aller Befragten gehen davon aus, nichts gegen Stress tun zu können.

Veränderung der sozialen Struktur

Zurzeit leben etwa 9 Millionen alleinerziehende Elternteile in Deutschland. Etwa 1 Millionen Kinder leben von Sozialhilfe. Durch diese Faktoren und durch den gesellschaftlichen Druck, dem viele Eltern ausgesetzt sind, wird die ausgleichende und schützende Funktion der Familie erschwert. Dies kann zu gestressten Eltern und einem entsprechend angespannten Milieu in der Familie führen.

Zeitdruck

Kinder haben heutzutage schon sehr früh einen straffen Zeitplan. Neben Ganztagsschulen und Hausaufgaben stehen oftmals am Nachmittag eine Vielzahl von weiteren Terminen wie z.B. Nachhilfe, Musikunterricht, Sportverein, etc. auf dem Tagesprogramm. Auch das Aufpassen auf kleine Geschwister übernehmen viele Kinder bereits früh und sind damit in den Zeitplan ihrer Eltern eingebunden, welcher nur selten Zeit für andere Aktivitäten lässt. Dies zeigt sich vor allem darin, dass spontane Verabredungen mit Freunden kaum noch möglich sind. „Beeil dich!“ bestimmt oft das Tempo des Tages eines Kindes.

Leistungsdruck

Schulerfolg und Bildung bekommen in der Zeit hoher Arbeitslosigkeit einen immer höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft. Die Anzahl der Kinder, die gegen die Empfehlung der Grundschule auf ein Gymnasium gehen, steigt von Jahr zu Jahr. Hinzu kommt, dass selbst der Freizeitsport im Verein inzwischen leistungsorientiert ist und das Konkurrenzverhalten der Kinder untereinander enorm steigt.

 

Erwartungsdruck

Nicht selten wünschen Eltern ihren Kindern einen Lebensweg, der von Erfolg, Wohlstand und Anerkennung geprägt ist. Die Wünsche der Eltern werden dadurch oftmals auf die Kinder projiziert, wodurch Kinder sehr wohl den Erwartungsdruck spüren. Dies kann entweder dazu führen, dass dies positiv herausfordern bzw. motivieren kann, oder aber, dass die Kinder unter Druck stehen und Versagens-ängste bekommen. Der Wert des Kindes wird dann nicht selten an dem Maß der erzielten Erfolge oder der Misserfolge gemessen, was das Selbstbewusstsein massiv ins Wanken bringen kann.

Folgen

Bei Kindern können sich Stress-Symptome teilweise sehr deutlich im direkten Zusammenhang mit akuten Belastungen wie z.B. einer Klassenarbeit zeigen.

Manchmal verarbeiten Kinder Stress aber auch auf „Umwegen“ und zeit versetzt, so dass es schwierig wird, den direkten Zusammenhang zu erkennen. Körperliche Anzeichen von Stress können bei Kindern z.B. Kopfschmerzen, Bauchweh, Schlafstörungen, Erschöpfungszustände, Essstörungen, Bettnässen etc. sein.

Mentale/Seelische Anzeichen von Stress können bei Kindern z.B. Nervosität, Aggressivität, Konzentrationsschwierigkeiten, Ängste, emotionaler Rückzug, Mangel an Kreativität, Veränderung des Sozialverhaltens etc. sein.