Achtsamkeit am Arbeitsplatz

Enorme „Veränderungsgeschwindigkeit“, Arbeitsverdichtung und Konflikte am Arbeitsplatz sind ursächlich dafür, dass wir die Warnsignale unseres Körpers überhören und Raubbau an unserer Gesundheit begehen. Auch in der Freizeit etabliert es sich immer mehr von Termin zu Termin zu hetzen. Gesundheit und Wohlbefinden bleiben auf der Strecke. Das auch die Freizeit, die eigentlich zum Ausgleich des Stresses in der Arbeitswelt gedacht sein sollte, davon geprägt ist, lässt keinen Raum mehr zu entspannen.

Löhmer und Standhardt, ein Coaching-Paar aus Gießen, beraten Firmen, die sich bisher zum Schulen ihrer Mitarbeiter, Trainer von außen geholt haben. Ihre Idee ist es, die Mitarbeiter auszubilden, damit diese dann ihren Kollegen das Prinzip der Achtsamkeit näher bringen können. Sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe. Angesichts steigender Arbeitsbelastungen, Krankschreibungen und Burnout-Fällen beginnen Firmen umzudenken und wollen dem vorbeugen.

 

In der Firma habe ich weder die Zeit noch die Möglichkeit für Entspannungsübungen.

Zu sagen: „Ich habe keine Zeit“, heißt eigentlich: „Etwas anderes ist mir wichtiger“.

 

Achtsamkeit am Beispiel einer Lehrerin:

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und doch so essentiell und wichtig, dass es erwähnt werden muss: die Schüler müssen Wertschätzung erfahren. Man sollte es nicht persönlich nehmen, wenn der Unterricht gestört wird. Bei Störungen genügt es meist Blickkontakt mit den entsprechenden Schülern aufzunehmen und die „Störer“ zu ignorieren. Auch wenn viele Ängste im Spiel sind, gilt es, abwertende Gedanken zu vermeiden, sowie ein Gespür für den eigenen Körper, Geist und Gefühle zu entwickeln. Förderlich ist es einen Raum zur Selbstbesinnung zu schaffen und die Angemessenheit der Gefühle zu überprüfen. Das hilft dabei, die Situation einschätzen zu können. Wichtig ist es gedanklich im Hier und Jetzt zu bleiben. Nicht bei der nächsten Unterrichtsminute oder der zuletzt geschriebenen Mathearbeit zu sein. Das lenkt ab und verhindert einen guten Überblick über das aktuelle Geschehen zu haben. Trotzdem sei es wichtig Kritik zu üben, Regeln zu setzen und Leistung einzufordern. Geschieht dies auf dem Boden persönlicher Wertschätzung, ist gute Zusammenarbeit möglich.

 

Achtsamkeit in helfenden Berufen (Psychotherapeuten und Berater):

Gerade Psychotherapeuten und Berater sind häufig stark gefordert. Menschliche Schicksale bestimmen den Berufsalltag. Daher ist es unbedingt vonnöten achtsam mit sich umzugehen. Andernfalls hat man nicht lange Freude am Ausüben dieser Berufe. Eigene Persönlichkeitsvariablen, wie beispielsweise den Anspruch jeden Patienten heilen zu müssen, berufsübergreifende Faktoren wie fehlende Mitarbeiterorientierung im Führungsstil der Vorgesetzten, professionelle Regulation der eigenen Emotionen im Arbeitsprozess und „unendliche“ Empathie sowie Patienten in schwierigen Lebenssituationen erfordern eine gute Psychohygiene, da sonst die Herausforderung schnell zu Überforderung werden kann. Somit ist der Weg in ein Burnout recht schnell beschritten. Achtsamkeit bedeutet wertfrei unsere Situation und Gefühle zu beobachten und gegebenenfalls zu verändern. Dies eröffnet uns die Möglichkeit unser Erleben und Verhalten neutral zu sehen, was uns befähigen kann frühzeitig Risikofaktoren (bspw. für Burnout) zu erkennen und entsprechend zu handeln.