Doping im Studium

„Hirndoping für Kopfarbeiter -Immer her mit den bunten Psychopillen“

So lautet die Schlagzeile eines Berichts der Online-Zeitschrift Karriere-Spiegel.[1] Ist die Bereitschaft und der Konsum von konzentrationssteigernden Mitteln denn wirklich schon so verbreitet? Und was bedeutet überhaupt Hirndoping?


Definition
Gehirndoping ist auch unter dem Begriff „Neuro-Enhancement“ bekannt, was so viel bedeutet wie die neurologische Verbesserung mit Hilfe von konzentrationssteigernden Mitteln. Diese dienen dazu die kognitive Leistungsfähigkeit zu optimieren. Hierzu werden gezielt legale oder illegale Substanzen eingenommen.

Präparate
Zunächst muss zwischen rezeptfreien/legalen und rezeptpflichtigen/illegalen Mitteln unterschieden werden. Als rezeptfreie Präparate zur Konzentrations- und Leistungssteigerung sind vor allem Koffeintabletten, Ginko-Präparate und Beruhigungsmittel bekannt. Diese sind in Apotheken und  in Onlineshops frei zugänglich. Aber einigen scheint die Wirkung dieser Präparate nicht auszureichen und greifen deshalb auf rezeptpflichtige und illegale Mittel zurück. Zu den rezeptpflichtigen zählt vor allem Methylphenidat, besser bekannt als Ritalin, was eigentlich zur Behandlung von ADS/ADHS und Narkolepsie(Schlafkrankheit) eingesetzt wird. Ein weiteres Mittel, welches eigentlich bei Narkolepsie eingenommen wird, jedoch als konzentrationssteigerndes Mittel missbraucht wird, ist unter dem Namen Modafinil in der Apotheke bei Vorlage eines Rezeptes zu erhalten. Des Weiteren ist Piracetam zu nennen, welches zu der Gruppe der Antidementiva zählt und als Medikament gegen Demenz verschrieben wird. Zu den illegalen Präparaten werden vor allem Amphetamine wie Speed, Kokain und Ecstasy, sowie einige Beruhigungsmittel mit Benzodiazepinen. Wie schon erwähnt sind einige Mittel rezeptpflichtig und fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Jedoch gibt es inoffizielle Zugänge, wie einige Internetapotheken, besonders aus dem Ausland, bei denen ohne Vorlage eines Rezeptes oben genannte Medikamente käuflich zu erwerben sind. Weitere Quellen können medizinisches Personal oder Medizinstudenten darstellen, da sie leichten Zugang dazu haben.

Wirkung
Alle Psychopharmaka wirken auf den Neurotransmitterhaushalt, das heißt sie haben eine unmittelbare Auswirkung auf die Konzentration der Nervenüberträgersubstanzen und setzen dort an in ihrer Wirkung. Das heißt sie haben immer eine Auswirkung auf die Nervengeschwindigkeit und auf die Konzentration bestimmter Stoffe. Es gibt immer einen Zusammenhang zwischen Körper und Psyche, körperliche Zustände werden auch immer psychisch empfunden. Dies bedeutet körperliche Veränderungen bewirken auch Empfindungsveränderungen, sprich die neurologische und die psychische Wirkung gehen miteinander einher.[2]

Die bereits genannten rezeptpflichtigen Präparate, abgesehen von den Beruhigungsmitteln, sind sogenannte Psychostimulanzien. Dies bedeutet sie sind in ihrer Wirkung stimmungsaufhellend und die Konzentrations-, Lern-, Denk- und Merkfähigkeit verbessern sich erheblich. Außerdem werden Müdigkeit und Appetit völlig unterdrückt. Konsumenten beschreiben den Zustand damit, dass für sie alles machbar erscheint.[3]

Nebenwirkungen
Jedoch geht man mit der Einnahme konzentrationssteigernder Mittel immer ein Risiko ein, da es auch einige, zum Teil noch nicht vollständig erforschte, Nebenwirkungen gibt. Diese sind:

  • Schlaflosigkeit
  • Umschlagen in das Gegenteil: extreme Erschöpfung
  • Appetitlosigkeit
  • Abhängigkeit
  • Auslösen von Psychosen/Depressionen
  • Aggressionssteigerung
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Selbstüberschätzung

Ursachen
Doch warum gehen manche Studenten dieses Risiko überhaupt ein? Insgesamt strebt jeder Student einen guten Abschluss an um seine Wettbewerbsfähigkeit zu optimieren und im späteren Berufsleben Fuß fassen zu können. Besonders in arbeitsaufwendigen Studiengängen ist der Lerndruck sehr groß und neben Prüfungen und dem Unialltag, sind einige Studenten darauf angewiesen einen Nebenjob anzunehmen. Das Lernpensum überschreitet für manche Studenten die Grenze des Machbaren, woraufhin Versagensängste gegenüber sich selbst oder auch den Eltern entstehen können. Außerdem leiden viele Studenten unter Prüfungsangst und können ihr Wissen in einer Prüfung nicht umsetzen, weshalb sie auf beruhigende Mittel zurückgreifen.

Studien
In Deutschland existieren noch keine flächendeckenden Studien zum Thema Gehirndoping im Studium, während in den USA bereits bestätigt ist, dass etwa jeder vierte Student konzentrationssteigernde Mittel konsumiert.[4] Jedoch wurden 2010 an der Universität Mainz 512 Studenten hierzu befragt. Bei den 512 befragten Studenten gaben etwa 4 % an, bereits eistungssteigernde Substanzen eingenommen zu haben. Etwa 80% würden solche Präparate konsumieren, wenn sie frei verkäuflich und ohne Nebenwirkungen wären. [5]

Zu dieser Thematik entwickelten wir eine kleine Stichprobenstudie, welche eine mögliche Tendenz aufzeigen soll. Hierzu wurde ein Fragebogen entworfen der zum einen den Konsum sowie die Bereitschaft unter Studenten befragen sollte. An der Studie haben 48 Studenten der Universität Frankfurt aus verschiedenen Fachbereichen teilgenommen.

 Die Auswertung lieferte folgende Zahlen:

Dopingkonsum und -bereitschaft

 

Fazit
Glaubt man den vorangegangenen Studien, ist deutlich zu erkennen, dass der Konsum und die Bereitschaft unter Studenten in Deutschland noch lange nicht so gravierend sind, wie in den Medien publiziert wird. Jedoch fehlt in Deutschland hierzu eine flächendeckende repräsentative Studie um sich ein Urteil bilden zu können. Experten vermuten allerdings einen steigenden Trend.

Quellen:
[1] http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/hirndoping-kopfarbeiter-greifen-verstaerkt-zu-modafinil-und-ritalin-a-864956.html
[2]
Prof. Dr. Krause-Girth, Cornelia. Dozentin Hochschule Darmstadt
[3]
Anonymer Konsument
[4]
Strüber Meike: Jeder sollte mit Pillen seine Intelligenz steigern dürfen. In: http://www.sueddeutsche.de/karriere/gehirn-doping-jeder-sollte-mit-pillen-seine-intelligenz-steigern-duerfen-1.180502 (aufgerufen am 14.01.2012)
[5]
Unbekannt: Doping gegen Druck. In: http://www.focus.de/wissen/mensch/campus/studenten-doping-gegen-den-druck_aid_492032.html (aufgerufen am 14.01.2012)

Gruppe: Maike Spielmann, Tina Schnell