Neurobiologie

Was passiert im Körper wenn wir Glück empfinden?

Starke Glücksgefühle entstehen meistens aus der Spannung zwischen Erwartung oder Vorfreude und deren Erfüllung. Ob man beim Fußball dem nächsten Tor entgegenfiebert, auf ein Prüfungsergebnis wartet oder einen großen Auftritt vor sich hat, immer steht am Anfang eine gewisse Anspannung. Man ist nervös, erregt oder freudig gespannt.

Die Botenstoffe

In diesem Zustand schüttet der Körper Dopamin aus. Das ist einer von vielen Botenstoffen in unserem Gehirn. Die Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, schlagen chemische Brücken zwischen unseren Nervenzellen. Sie sind für die Informationsübertragung zuständig und beeinflussen unser Denken, Fühlen und Handeln.1

Dopamin führt dazu, dass wir aufmerksamer sind, Informationen schneller erfassen und verarbeiten. Wir sind wach und zu Höchstleistungen bereit. Ausgestoßen wird das Dopamin von Neuronen im Mittelhirn und wandert dann von Nervenzelle zu Nervenzelle. Wenn das Dopamin im unteren Vorderhirn, dem Nucleus accumbens ankommt, werden dort opiumähnliche Stoffe produziert, die uns in einen Glücksrausch versetzen.

Neben dem Dopamin sind noch weitere Botenstoffe als „Glücklichmacher“ identifiziert. Insbesondere Serotonin und körpereigenes Morphium. Serotonin wirkt vor allem entspannend und harmonisierend. Wir empfinden uns im Einklang mit der Welt und sind höchst zufrieden. Auf die Spitze getrieben wird dieses Gefühl von dem Morphium, das sich nicht nur in unserem Gehirn, sondern im gesamten Körper ausbreitet und dort dieses wohlig warme Gefühl des Glücks verursacht.

Schon bald nach der Ausschüttung der Botenstoffe beginnt der Körper damit, sie wieder abzubauen. Das hat seinen Sinn, denn ein dauerhaftes Verbleiben im Glücksrausch kann der Mensch gar nicht aushalten. Wir könnten unseren Alltag nicht bewältigen, würden kaum noch trinken, essen oder schlafen, bis Körper und Geist völlig ausgezehrt wären.

Doch die Erinnerung an das schöne Gefühl bleibt und führt so zu einer ständigen Suche nach neuem Glück. Eine Suche, die in manchen Fällen mit einer Sucht enden kann.2

1 Vgl. http://www.br-online.de/bayern2/gesundheitsgespraech/neurotransmitter-DID1262950539554/index.xml

2 Vgl. http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/psychologie/glueck/index.jsp

 

Von der Suche zur Sucht

Wenn man gelernt hat, dass in einer bestimmten Situation oder durch ein bestimmtes Mittel Glück empfunden wird, dann wird das in unserem Gedächtnis gespeichert. Wir erinnern uns daran und möchten die gleiche Situation wiederherstellen oder das Mittel wieder bekommen. Ob es dabei um Glücksspiele geht, Rauschmittel, Essen oder gar Sport spielt keine Rolle. Sobald wir zu oft darauf zurückgreifen, um uns besser zu fühlen, entsteht die Gefahr der Sucht. Vor allem dann, wenn wir ohne unser „Glücksmittel“ kaum mehr Freude empfinden können.3

Besonders deutlich wird dieser Effekt, wenn man künstlich in den Stoffwechsel eingreift.

Jede künstliche Beeinflussung der Stimmungslage zielt auf die beschriebenen chemischen Übertragungswege ab. Durch Medikamente, Rauschmittel oder Drogen wird entweder die Ausschüttung der stimmungsaufhellenden Botenstoffe gesteigert oder deren Abbauprozess verlangsamt. Der Körper gewöhnt sich allerdings sehr schnell daran, so dass wir immer öfter immer mehr davon brauchen.

3 Vgl. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/krankheitenstoerungen/mechanismen/gehirn_aid_22480.html

 

Unglück als Krankheit

Manchmal kommt es vor, dass der Gehirnstoffwechsel eines Menschen dauerhaft oder über sehr lange Zeit gestört ist. Die Folge sind Störungen im Denken, Fühlen und Handeln. Wenn die Störungen zu gravierend sind, versucht man mithilfe von Medikamenten den Gehirnstoffwechsel wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Krankheiten, die mit einem gestörten Hirnstoffwechsel einhergehen sind zum Beispiel Depressionen, Schizophrenie, Angst- und Zwangsstörungen.6

6 Vgl. www.medicom.de/ratgeber/news/gehirn-und-gedaechtnis/gehirnstoffwechselstoerungen-immer-besser-erforscht (nicht mehr online)

 

Gehirntraining zum Glücklichsein

Unser Gehirn ist ständig in Bewegung und verändert sich. Alles was wir lernen, jede Erfahrung, die wir im Laufe unseres Lebens machen, nimmt darauf Einfluss. Neue neuronale Verknüpfungen entstehen, während ungenutzte verkümmern können. Wenn wir vielfältig leben, ausprobieren, entdecken und neugierig bleiben, bekommt unser Gehirn immer wieder Anlass, neue Verbindungen herzustellen. Dabei gibt es keine Altersgrenze. Entgegen früherer wissenschaftlicher Meinungen weiß man heute, dass das Gehirn ab einem bestimmten Alter keineswegs nur noch abbaut. Die Schaltkreise unseres Gehirns können sich noch bis ins hohe Alter verändern und erweitern. Vorausgesetzt man bleibt aktiv und offen für Neues.8

Durch unsere Tätigkeiten und Erfahrungen sind wir also ganz erheblich an der Ausformung unseres Gehirns beteiligt. Mit dem richtigen Verhalten können wir unser Gehirn sogar auf Glück programmieren.

Wenn wir etwas oft und regelmäßig tun, regen wir dabei immer wieder die dafür zuständigen Hirnareale und neuronalen Verbindungen an. In der Folge festigen sich die neuronalen Verbindungen dauerhaft. Diesen Vorgang könnte man als ein Training des Gehirns bezeichnen, und dieses Training können wir nutzen, um unsere Fähigkeit Glück zu empfinden zu steigern. Dazu braucht es nicht mehr, als dass man sich öfter mal Freude gönnt. Wenn man sich also gezielt in Situationen begibt, die einen glücklich machen, sich mit Menschen umgibt, die einem gut tun, wenn man schöne Erinnerungen öfter ins Gedächtnis ruft oder auch wenn man einfach einen lustigen Film schaut. Mit all diesen Tätigkeiten trainieren wir unser „Glücksnetzwerk“ im Gehirn. Sind wir dann erst mal so gut eingespielt, steht dem dauerhaften Glück nichts mehr im Weg.9

8 Vgl. http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2007/0123/008_lernen.jsp

9 Vgl. http://www.psychotipps.com/Glueck.html


Bildnachweis: Paul Klee, Die heitere Seite,1923
Gruppe: Alica Arnold, Sarah Hartwig, Franziska Mroz