Welche Wirkung hat Musik auf unseren Körper und unsere Psyche?

Wie der Abschnitt über die Musikverarbeitung im Gehirn zeigt, gibt es im Gehirn kein spezielles Musikzentrum. Vielmehr sorgen Melodie, Rhythmus, emotionale Aspekte, oder auch Erinnerungen dafür, dass Musik verschiedene Bereiche im Gehirn aktiviert und somit durch die Ausschüttung von Hormonen, Einfluss auf Körperfunktionen wie Herzschlag, Blutdruck, Atemfrequenz und Muskelspannung haben kann.(3, 4)
So werden in den Nebennieren und der Hypophyse, je nach Art der Musik, verschiedene Hormone freigesetzt. Bei schneller und aggressiver Musik Adrenalin und Noradrenalin bei langsamer, ruhiger Musik.
Noradrenalin hat nachweislich die Eigenschaft, die Ausschüttung von Stresshormonen zu verringern und die Konzentration von schmerzkontrollierenden Betaendorphinen im Körper zu erhöhen, weshalb Musik heute schon therapeutisch in der Psychiatrie und der Schmerztherapie erfolgreich eingesetzt wird.(3, 4)
Auch das Belohnungs- und Emotionssystem des Gehirns kann durch Musik beeinflusst werden. Ging die Wissenschaft bisher davon aus, dass die Gehirnregionen, die für die Vermittlung von Glücksgefühlen zuständig sind, ausschließlich durch Essen und Sex stimuliert werden können, zeigen neuere Untersuchungen jedoch, dass auch Musik das Belohnungs- und Emotionssystem des Gehirns anzuregen vermag. So schüttete das Gehirn von Testpersonen beim Hören von Musik die sie als besonders anregend empfanden, den Botenstoff Dopamin aus.
Interessant ist, dass sogar schon der bloße Gedanke an ein für die Testperson als anregend empfundenes Musikstück reichte, um Dopamin im Gehirn freizusetzen. In diesen verschiedenen Phasen des Musikhörens, wie Neutralität gegenüber dem Musikstück, Vorfreude und realem Musikhören waren unterschiedliche Bereiche des Gehirns aktiv. Während die Erwartung der Musik das kognitive und motorischen System aktiviert, ist bei der musikalischen Glückserfahrung selbst das limbische System aktiv, in dem die Emotionen in unserem Gehirn verarbeitet werden.(5, 6)
Die Forscher machten auch die Entdeckung, dass Menschen sich diesen durch Musik vermittelten Glücksgefühlen bedienen, um mit Traurigkeit und Angst fertig zu werden. Musik hat nämlich nicht nur den Effekt ein Gefühl von Glück durch Aktivierung des Belohnungssystems zu erzeugen, sondern kann auch gleichzeitig das Gefühl von Angst, durch Abschalten des Angstsystem, in den Amygdalae senken. Der Wissenschaft ist bisher nichts Anderes bekannt, dass diese beiden Effekte gleichzeitig auslöst.(3, 5, 7)

Musik kann somit eine vielseitige Wirkung auf den Menschen haben. Sie kann anregend oder beruhigend sein, uns Gefühle des Glücks empfinden lassen, bei gleichzeitiger Senkung unserer Angstgefühle und sogar Schmerzen lindern. Musik scheint ein großes Potential in Bezug auf unsere psychische Gesundheit zu beinhalten, das es noch zu erforschen gilt.

Quellen:
(1) Spitzer, Manfred: Geist & Gehirn - 025 Musik im Kopf. www.youtube.com/watch (abgerufen am 11.06.2011)
(2) Tomatis-Zentrum für systemische Hörtherapie. Musikverarbeitung im Gehirn. tomatis-zentrum.at/index.php (abgerufen am 11.06.2011)
(3) Spitzer, Manfred: Hirnforscher Spitzer im Interview: "Glück rauf, Angst runter". www.fr-online.de/wissenschaft/-glueck-rauf--angst-runter-/-/1472788/3218138/-/index.html (abgerufen am 11.06.2011)
(4) Butt, Salim: Macht der Musik. www.planet-wissen.de/kultur_medien/musik/macht_der_musik/index.jsp (abgerufen am 11.06.2011)
(5) Science ORF. Musik macht glücklich. sciencev1.orf.at/science/news/44905 (abgerufen am 11.06.2011)
(6) Müller, Ingrid: Der emotionale Glücksrausch. debeka.gesundheitsportal-privat.de/Magazin/Musik-Der-emotionale-Glueck-1134262.html (abgerufen am 11.06.2011)
(7) Spitzer, Manfred: Geist & Gehirn - 044 Mozart Effekt. www.youtube.com/watch (abgerufen am 11.06.2011)

Bildnachweis: Gustav Klimt, Die Music I, 1895
Text: Bernd-Alexander Richter