Ziele und Strategien der Positiven Psychologie

Die Hauptaufgabe der Positiven Psychologie ist es, Menschen glücklicher zu machen, so das "ultimative Ziel" laut Seligman, Parks und Steen. Doch um dieses banal formulierte Ziel zu erreichen, konzentriert sich die Forschung hauptsächlich auf positive Gegenstände der Psychologie, wie Glück, Optimismus und positive Emotionen. Gerade die vorhandenen Ressourcen und Stärken sollen bekräftigt werden und die Emotionen bewusster erlebt und gewürdigt werden. So kann jedes Individuum für sich ein lebenswerteres Gefühl erzeugen. (Vgl. 8, 11)
Bisher beschäftigte sich die Psychologie hauptsächlich mit den Defiziten wie Stress, Schicksalsschläge, Depressionen und Unglück. Seit den 90er Jahren jedoch werden vorrangig von Martin Seligman ebenfalls die positiven Aspekte der Psychologie erforscht. Doch das Anstreben von subjektivem Glücksempfinden, ist nicht gleichbedeutend mit dem Wegfall von Unglück. Jedoch lässt sich Glück und Unglück für jede Person anders definieren. Es ist nicht das Ziel Unglück zu verbergen oder gar komplett zu ignorieren, vielmehr wird der Fokus auf das Positive gelenkt und somit gleichzeitig das Negative vermindert. Seligman legt großen Wert auf die Unterscheidung zwischen Pessimisten und Optimisten. Optimisten führen Erfolgserlebnisse auf ihre subjektiven Fähigkeiten zurück und alltägliche kleine Niederlagen ordnen sie eher dem Zufall, bzw. dem Pech zu. Pessimisten sehen dies hingegen genau gegensätzlich. (Vgl. 7, 8)
Die Positive Psychologie zielt darauf ab, sich an kleinen Dingen im Alltag zu erfreuen und deren Wert schätzen zu lernen, sich nicht zu große Hoffnungen zu machen, denn so werde die Enttäuschung bei nicht erfüllter Erwartung kleiner ausfallen.
Seligman spricht von der Vermehrung des Positiven, dafür lassen sich vier Strategien darstellen, die das subjektive Wohlbefinden steigern können. (Vgl. 8)


Strategien der Positiven Psychologie

1. Die Vermehrung und Förderung der bereits vorhandenen positiven Aspekte.
Diese Strategie ist der wohl direkteste Weg, um positive Gefühle zu erzeugen. Auch wenn es den Menschen, vor allem den depressiv Erkrankten, sehr schwer fallen kann, positive Aspekte in ihrem Leben zu finden, so kann durch das Erlernen von bewusstem Genießen Positives erlebt werden. Genießen soll nicht als Luxus angesehen werden, im Gegenteil: Genuss gehört zum Alltag dazu. Seligman rät dazu, sich den Genuss zu gönnen. Die Menschen müssen sich von festgefahrenen Regeln lösen und beispielsweise selbst auferlegte Genussverbote beseitigen, um zu lernen, dass das Genießen kein Akt der Faulheit oder Zeitverschwendung ist. Genießen braucht nicht immer viel Zeit, doch diese sollte man sich nehmen, um für sich selbst ein positives Gefühl zu erlangen und zu erleben. Des Weiteren sei es sehr wichtig, bewusst zu genießen. Sich in diesem Moment ganz und gar fallen zulassen und nicht in Eile oder nur nebenbei genießen! Jeder Mensch kann seine Sinne schulen bzw. schärfen und somit durch seine Wahrnehmung empfänglicher für einst unbedeutende "Genussmittel" werden. Ob es nun ein Stück Schokolade, ein gutes Buch oder einfach nur zehn Minuten in der Hängematte sind, muss jeder für sich selbst entscheiden.  Ebenso wichtig ist die Planung für wohltuende Dinge, so verschafft man sich Vorfreude und auch eine Art Belohnungssystem für geleistete Arbeit. Verabredungen treffen, verbindliche Zusagen und das Einplanen von Zeit für genussvolle Pausen sind sehr fördernd für das positive Empfinden. Ebenso birgt der Alltag viele Situationen, die wenn sie bewusster wahrgenommen werden, als positiver empfunden werden können, so kann eine Fahrt unter Zeitdruck auch zu einer genussvollen Spritztour werden, wenn man sich beispielsweise seine Lieblingsmusik einlegt und sich damit abfindet, die Zeit nun mal nicht anhalten zu können. (Vgl. 12)

2. Schaffung von neuen positiven Aspekten
Wie bereits oben beschrieben, können Sinnesschulungen auch zur Schaffung, bzw. Erkennung positiver Aspekte beitragen. Konzentriert man sich auf die jeweiligen Ressourcen und Stärken und erkennt diese als positive Eigenschaft an, so kann man sich selbst positive Aspekte schaffen, die zur Steigerung des subjektiven Wohlbefindens beitragen.
Eine weitere Möglichkeit neue positive Aspekte zu schaffen ist das Erzeugen eines so genannten "Flow-Gefühls". Bereits 1975 prägte der Psychologe Csikszentmihalyi diesen Begriff. Dieser beschreibt das positive Glücksgefühl, welches ein Mensch durch eine Tätigkeit erlangt, während er seine äußere Umwelt vergisst und seine persönlichen Kompetenzen voll gefordert werden um die Anforderung zu meistern. In diesem Zustand fühlt man sich absolut glücklich und losgelöst. (Vgl. 12)

3. Verminderung negativer Aspekte
Die vorhandenen negativen Aspekte kann man nicht ignorieren, doch man kann sich auf die positiven Ressourcen und Stärken konzentrieren, diese weiterentwickeln und somit zu einer Verminderung des Negativen beitragen. (Vgl. 13)

4. Verhinderung des Aufkommens negativer Aspekte
Das Patentrezept Martin Seligman´s heisst hier Optimismus, dieser unterbindet präventiv depressive Stimmungen und kann so das Aufkommen negativer Aspekte verhindern. Seligman sieht die Grunderkenntnis in der Ursachenzuschreibung für Ereignisse. Man sollte nicht zuerst bei negativen Erlebnissen an seinen eigenen Fähigkeiten zweifeln oder diese als den Grund des Scheiterns sehen, sondern das Ereignis relativieren und sich eine Kontrollierbarkeitserwartung verschaffen, z.B. "das nächste Mal wird es besser". (Vgl. 13)

weiter